Kroatien verzeichnete im letzten Jahrzehnt einen deutlichen Anstieg der Lebensmittelimporte, deren Gesamtwert sich mittlerweile auf fast 6,5 Milliarden Euro beläuft. Gleichzeitig wurden allein im vergangenen Jahr über 100 Lebensmittelprodukte aufgrund von Qualitäts- und Sicherheitsbedenken zurückgerufen, was Fragen zu Lieferketten, Produktionsprozessen und chemischer Verunreinigung aufwirft.
Experten zufolge zählen die zunehmende Größe der industriellen Lebensmittelproduktion sowie lange Transportwege und Lagerzeiten zu den Hauptgründen für die steigende Anzahl von Rückrufen.
Der Ernährungswissenschaftler Branimir Dolibašić erklärte gegenüber HRTs Potrošački kod , dass viele potenziell schädliche Substanzen in verschiedenen Produktionsstadien in Lebensmittel gelangen können. Dazu gehören Verunreinigungen durch Umweltverschmutzung, in der Landwirtschaft eingesetzte Agrarchemikalien oder Substanzen, die während der Verarbeitung und Verpackung in Lebensmittel gelangen.
Zu den Substanzen, die zunehmend Aufmerksamkeit erregen, gehören die sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ PFAS sowie Bisphenol A, Pestizide, Mikroplastik, Schwermetalle und von Schimmelpilzen produzierte Toxine wie Aflatoxine.
„Eine Verunreinigung kann auch unbeabsichtigt während der Produktion auftreten“, erklärte Dolibašić und merkte an, dass Herstellungsprozesse mitunter dazu führen können, dass kleine Materialfragmente oder andere Fremdstoffe in Lebensmittel gelangen. In solchen Fällen sind die Hersteller verpflichtet, die betroffenen Produkte vom Markt zurückzurufen.
Wissenschaftler geben an, dass die Liste der überwachten Substanzen ständig erweitert wird, da die Forschung neue potenzielle Risiken aufdeckt. Gordana Jurak vom Dr. Andrija Štampar Lehrinstitut für öffentliche Gesundheit erklärt, dass laufende wissenschaftliche Studien weitere Chemikalien identifizieren, die schädliche Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben könnten.
„Der Zweck dieser Analysen besteht in erster Linie darin, die Gesundheit der Verbraucher zu schützen“, sagte Jurak.
Gesundheitsexperten warnen davor, dass manche Schadstoffe nicht nur unmittelbare Auswirkungen haben, sondern sich mit der Zeit im Körper anreichern können. Langfristige Belastung wird mit möglichen Auswirkungen auf das Fortpflanzungssystem, die Schilddrüsenfunktion, den Cholesterinspiegel und die Lebergesundheit in Verbindung gebracht, während einige Substanzen auch mit einem erhöhten Krebsrisiko assoziiert sind.
PFAS-Verbindungen geben besonderen Anlass zur Sorge. Zu dieser Gruppe gehören rund 10.000 kohlenstoff- und fluorhaltige Chemikalien, die häufig in Produkten wie Antihaft-Kochgeschirr und Industriebeschichtungen verwendet werden. Ihre weitverbreitete Verwendung hat zu ihrer Präsenz in der gesamten Umwelt geführt.
Gleichzeitig weisen Marketingexperten auf den wachsenden Einfluss von Werbung auf das Essverhalten hin. In Kroatien geben Haushalte rund 28 Prozent ihres Budgets für Lebensmittel und weitere 12 Prozent für Getränke aus, was diesen Sektor zu einem der wettbewerbsintensivsten der Wirtschaft macht.
Der Marketingexperte Kamilo Antolović sagt, Werbung spiele eine wichtige Rolle nicht nur bei der Ankurbelung des Konsums, sondern auch bei der Gestaltung langfristiger Gewohnheiten, insbesondere bei Kindern.
„Wenn man bei einem Kind eine Konsumgewohnheit weckt, hat man potenziell einen Konsumenten für die nächsten 50 oder sogar 80 Jahre“, sagte er.
Da die Importe weiter steigen und die Lebensmittelversorgungsketten immer komplexer werden, betonen Experten, dass starke Überwachungssysteme und informierte Verbraucher weiterhin unerlässlich für den Schutz der öffentlichen Gesundheit sind.
Redaktion Wirtschaft
Bild: supermarkt inside





