Kroatien plant, sein digitales Arbeitszeitüberwachungssystem auf Sektoren auszuweiten, in denen Schwarzarbeit häufiger vorkommt. Dies ist Teil eines neuen Projekts im Wert von fast 4 Millionen Euro, das aus dem Europäischen Sozialfonds Plus finanziert wird.
Die Initiative baut auf dem bestehenden einheitlichen elektronischen Aktenführungssystem auf und soll voraussichtlich auch Sektoren wie das Bauwesen und plattformbasierte Arbeiten umfassen.
Arbeitszeiten, Schichten und Pausen von Lieferanten und Fahrern, die über digitale Plattformen arbeiten, werden bereits elektronisch erfasst. Das System wurde eingeführt, um die Behörden bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit und der besseren Aufdeckung von Unregelmäßigkeiten im Arbeitsrecht zu unterstützen.
Anita Zirdum, kommissarische Leiterin der Direktion für Arbeit und Arbeitssicherheit, erklärte gegenüber HRT, das System diene in erster Linie als Instrument für Arbeitsinspektoren. Es ermögliche den Behörden, Arbeitsaktivitäten mit Beschäftigungsregistrierungen, Arbeitsgenehmigungen und finanziellen Zahlungen von Plattformen an Aggregatoren abzugleichen.
Das System ermöglicht der Steuerverwaltung zudem einen besseren Einblick in Finanztransaktionen und hilft den Behörden, potenzielle Unregelmäßigkeiten effektiver zu erkennen.
Experten schätzen, dass die Schattenwirtschaft Kroatiens bis zu 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes ausmacht.
Schwarzarbeit dürfte besonders in Sektoren verbreitet sein, die eine große Anzahl ausländischer Arbeitskräfte beschäftigen.
Emil Priskić, Präsident der kroatischen Handwerkskammer, sagte, dass das Gastgewerbe und das Baugewerbe zu den Sektoren gehören, in denen solche Aufzeichnungen am dringendsten benötigt werden.
Kroatien beherbergt derzeit ganzjährig und während der Touristensaison rund 170.000 ausländische Arbeitskräfte.
Während das elektronische Überwachungssystem derzeit Arbeiter auf digitalen Plattformen erfasst, planen die Behörden, es in den nächsten zwei Jahren auf die Bauindustrie auszuweiten.
Der kroatische Arbeitgeberverband begrüßte den Schritt und argumentierte, dass Schwarzarbeit einen unfairen Wettbewerb für Unternehmen schaffe, die die Arbeitsvorschriften einhalten, ihre Mitarbeiter ordnungsgemäß anmelden und Steuern und Sozialabgaben zahlen.
Die Aufzeichnungen werden über eine spezielle Anwendung verwaltet, was laut offiziellen Angaben den Verwaltungsaufwand für Arbeitgeber verringern und gleichzeitig dem Staat helfen soll, Einnahmeverluste durch nicht gezahlte Beiträge auszugleichen.
Arbeitsminister Alen Ružić erklärte, höhere Staatseinnahmen durch verbesserte Einhaltung der Vorschriften würden auch die Erreichung weiter gefasster sozialpolitischer Ziele unterstützen. Er fügte hinzu, dass der Rechtsrahmen selbst voraussichtlich eine präventive Wirkung haben werde, indem er Arbeitgeber zur Einhaltung der Vorschriften anrege.
Um Unternehmen bei der Umstellung auf das neue System zu unterstützen, beginnen in Kürze Schulungen in ganz Kroatien. Marija Šćulac, Vizepräsidentin der Kroatischen Wirtschaftskammer, gab bekannt, dass in 20 Kreiszentren in den Räumlichkeiten der Kammer Workshops stattfinden werden.
Neben betrieblichen Ausbildungsprogrammen werden auch Bildungsinitiativen an weiterführenden Schulen eingeführt, um junge Menschen für die Bedeutung einer legal registrierten Beschäftigung zu sensibilisieren.
Die Regierung erwartet, dass das erweiterte elektronische Überwachungssystem die Aufsicht über den Arbeitsmarkt stärken, Schwarzarbeit reduzieren und die Einhaltung der Vorschriften in den Sektoren verbessern wird, in denen Arbeitsrechtsverstöße am weitesten verbreitet sind.
Redaktion Politik
Bild: Dalmatinka-Media




