Ein Brief eines langjährigen deutschen Gastes, den alle Gastronomen und Bürgermeister lesen sollten.
Nachdem er 18 Jahre lang nach Brač gekommen war, ein Haus gekauft und sich vollständig in die lokale Gemeinschaft integriert hatte, schickte der deutsche Unternehmer Christoph aus Frankfurt einen emotionalen und aufschlussreichen offenen Brief, in dem er vor besorgniserregenden Trends im kroatischen Tourismus warnte.
Seine Rede ist nicht die Reaktion eines unzufriedenen Touristen auf der Durchreise, sondern die tiefgründige Reflexion eines Mannes, der die Insel als seine zweite Heimat betrachtet und deshalb aus erster Hand miterlebt, wie das Streben nach Profit und Kommerzialisierung nach und nach die Grundfesten der dalmatinischen Lebensweise untergräbt.
Im Gespräch über den Wandel der lokalen Mentalität und des Alltagslebens erinnert sich Christoph an eine Zeit, in der die Jahreszeit nur ein Teil davon war, nicht der alleinige Sinn des Daseins.
„Wir haben Kroatien als ein herzliches, offenes und gastfreundliches Land kennengelernt. Unsere Freunde hier hatten selbst mitten in der Saison Zeit für Kaffee, Gespräche, ein gemeinsames Abendessen oder spontane Treffen… Die Menschen mussten damals wie heute ihren Lebensunterhalt verdienen. Aber die Saison war ein Teil ihres Lebens. Sie war nicht ihr ganzes Leben “, betont der Autor und fügt hinzu, dass sich die Logik des Geschäfts und der Preisgestaltung im Gastgewerbe inzwischen grundlegend verändert hat.
Beim Vergleich der Kosten mit denen in seiner Heimatstadt stellt er fest, dass „Einfache Ćevapčići oder Pljeskavica kosten 20 oder 25 Euro, ein Steak hingegen 35 Euro“ , was die Absurdität der Situation unterstreicht:
„Ich komme aus Frankfurt. Auch dort kennen wir hohe Preise… Wenn eine einfache Mahlzeit auf Brač so viel kostet wie eine Mahlzeit im Zentrum von Frankfurt, dann fällt es mir als Unternehmer schwer, das wirtschaftlich zu erklären.“
Besonders besorgniserregend ist, dass es nicht mehr um den fairen Preis der Dienstleistung geht, sondern darum, wie viel mehr man dem Gast abverlangen kann. Der Autor stellt klar, dass die Ausgabenscheu langjähriger Gäste nicht auf Geldnot zurückzuführen ist, sondern auf einen Verlust des Sinns für den wahren Wert.
„Manchmal hat man das Gefühl, die Frage lautet: Wie viel mehr kann ein Gast noch zahlen? Wie weit kann ich den Preis erhöhen, bevor er sagt: ‚Jetzt reicht’s!‘ … Das Problem ist nicht, dass wir es uns nicht leisten könnten. Das könnten wir. Aber immer weniger wollen wir es zahlen, weil wir nicht mehr das Gefühl haben, dass der Preis dem entspricht, was wir dafür bekommen.“
Diese ständige Kommerzialisierung zeigt sich selbst in den kleinsten Details des Raumes, wie zum Beispiel in den Duschen in den öffentlichen Bereichen.
„Jahrelang gab es in unserer öffentlichen Bucht eine einfache Dusche, die die Gemeinde installiert hatte. Man kam aus dem Meer, spülte sich das Salz ab und ging nach Hause. Niemand hat sich weiter Gedanken darüber gemacht. Heute steht da ein Duschautomat. Natürlich wird niemand durch einen Euro für eine Dusche verarmen. Es geht gar nicht um den Euro. Es geht darum, ob alles kostenpflichtig werden muss “, sagt Christoph.
Neben dem finanziellen Druck leidet der Autor persönlich am meisten unter der administrativen Distanzierung und dem Verlust der lokalen Verbindung zum Schiff, trotz jahrzehntelanger Investitionen und Beteiligung am Leben vor Ort. Daher flammt ein Gefühl der Entfremdung wieder auf. Zu seiner Reaktion auf die Nachricht, dass er nicht länger als Einwohner gilt, schreibt er:
„Die Botschaft, die wir erhalten, lautet: Ihr gehört hier nicht wirklich hin. Und das tut weh… Durch Freundschaften, die Nachbarschaft, Vertrauen, das jährliche Wiederkommen… Nach so vielen Jahren fühlten wir uns nicht mehr wie Touristen. Und heute haben wir immer öfter das Gefühl, dass wir doch nur Gäste sind – und zwar Gäste, von denen erwartet wird, dass sie viel Geld ausgeben.“
Abschließend appelliert der Autor an lokale Unternehmer und Entscheidungsträger, Authentizität und langfristige Beziehungen nicht kurzfristigen Gewinnen zu opfern. Er erinnert daran, dass Kroatien es nicht nötig hat, andere Massen- oder Exklusivreiseziele zu imitieren, denn sein Charme liegt in seiner Einfachheit und seinen Menschen.
„Kroatien war für uns nie die Côte d’Azur. Und das meine ich als Kompliment an Kroatien. Wir suchten nicht nach Saint-Tropez. Wir suchten nach Brač… Ćevapčići werden nicht zum Luxusgericht, nur weil sie 25 Euro kosten. Eine Taverne wird nicht zum Luxusrestaurant, nur weil das Abendessen 100 Euro pro Person kostet “, schließt Christoph mit einer abschließenden Botschaft über den Wert des gewonnenen Vertrauens:
„Preise können sich wieder ändern. Häuser können wieder aufgebaut werden. Straßen können repariert werden. Aber Vertrauen, ein Gefühl der Willkommenheit und ein Zugehörigkeitsgefühl lassen sich viel schwerer wiedererlangen, wenn sie erst einmal verloren sind. Bewahren Sie das. Das ist mehr wert als ein weiterer Euro Verdienst.“
Redaktion Wirtschaft/Ch. Schließmann
Bild: Dalmatinka-Media





