Home Land und Leute Kulinarisches 5 Tipps um ein kroatisches Familienessen zu überleben!

5 Tipps um ein kroatisches Familienessen zu überleben!

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Die Feiertage sind endlich vorbei, wir sind sieben Kilo schwerer, haben gefühlt ein Alkoholproblem und erlitten drei Nervenzusammenbrüche. Wir sind jedoch nicht nur reicher an Winterspeck geworden, sondern auch an wichtigen Erkenntnissen, nämlich jenen wie man ein Kroaten-Familienessen allgemein überlebt.

Zunächst kommst du an und musst alle abbusseln und abschmatzen – dagegen haben wir noch keinen Rat, weshalb du da einfach durch müsst. Nachdem eure Ohren von den lauten Küssen fast taub geworden sind und eure Hände vom festen Drücken nur mehr minimal mit Blut versorgt werden, darfst du dich an den Tisch setzen. Dort wird auch vermutlich der ganze Abend ablaufen, da die ganze Reihe am Tisch mit Verwandten belegt ist, die alle aufstehen müssten. Dafür hast du den Ehrenplatz – in der Mitte des Tisches, links und rechts angekuschelt an Personen, die du viel zu gut oder gar nicht kennst. Bestenfalls sitzt du noch mit dem Rücken zur viel zu nahen Wand, dorthin platziert man immer die schlanken Personen, also darfst du dich geschmeichelt fühlen.

Das Festmahl und die Festtags-Qualen dürfen nun starten.

Das Nachschenken
Kaum angekommen, wirst du auch schon gefragt, was du trinken willst. Während du dich hinsetzt, antwortest du mit „Cola,bitte“ woraufhin dir dein älterer Cousin ein Glas einschenkt. In diesem Augenblick reißt dich der verrückte Onkel Paja mütterlicherseits auf die Beine und drückt dir einen Verdauungsschnaps in die Hand. Nach dem Motto „Einer geht schon“, kippst du das Selbstgebrannte runter und schmatzt zufrieden. Nach erneuten brüderlichem Küssen und blutabsperrendem Händedrücken setzt du dich wieder nieder und freust dich auf dein Cola. Aus Cola ist leider nur Cola-Rot, unter Jugos auch als Bambus bekannt, geworden. Zum Hinunterspülen kippst du das Glas dennoch runter und bittest um Wasser. Dein Cousin erhascht einen Blick auf deinen leeren Becher und mixt dir erneut eine angebliche „Cola“. Dein Schnapsglaserl ist auch leer? Auch da heißt es: „Auf ein Neues!“ Diesmal mit deinem Cousin der dabei ist, dir eine Alkoholvergiftung zu verpassen.

Bevor das in einer feuchtfröhlichen Katastrophe endet, spulen wir zurück. Sobald du nach deinem Getränk gefragt wirst, bittest du um die Flasche, um dir selbst einzuschenken. So stellst du sicher, dass du auch wirklich bitte ein „Cola“ bekommst. Schnaps-Time überleben? Diese einfache Regel hilft dir: Nie austrinken! Nippe an deinem Blindmacher und stoße mit einem Stamperl einfach mehrfach an. So vermeidest du es, dass dir immer wieder nachgeschenkt wird.

Der Naschschlag
Tante Gorana erblickt deinen leeren Teller und greift fast zeitgleich zum Schöpfer, um dir fünf weitere Sarma auf den vor drei Minuten leergegessenen Teller zu klatschen? Nun gibt es kein Zurück, denn ihre Hand ist pfeilschnell und präzise, sodass sie dir in wenigen Sekunden bereits einen guten Appetit wünscht und sich anderen Gästen widmet, um auch sie qualvoll zu mästen.

Wie du diese Situation vermeidest?
Ähnlich, wie beim Nachschenken darfst du nie komplett fertigessen und mit leerem Teller dasitzen, sonst glauben alle du genierst dich mehr Essen auf den Teller zu geben und verhungerst noch, weil du ja erst drei Vorspeisen, zwei Hauptspeisen und das Stück Brot von Onkel Mirko hattest.

Bestenfalls hast du also immer etwas auf dem Teller und hältst hier und da Ausschau nach potentiell fliegenden Schöpfern. Sollte jemand Augenkontakt herstellen, um dir weiter Essen auf die Platte zu schaufeln, dann verwickle die Person in ein rasches Gespräch und halte dir dabei die Hände vor den Teller. Bei Männern funktionieren meist Sport oder Politik zu Titos Zeiten, bei Frauen ziehen Komplimente oder die Frage nach der Arbeit. Ein wesentlicher Schritt ist es, während du der Person zuhörst, ihr den Schöpfer abzunehmen und dir selbst einen Hauch nachzuschöpfen. So entziehst du dich einer riesigen Portion und vermutlich auch einer Fettleber.

Beziehungsstatus
Nachdem du fett und dicht geworden bist, kommen die beliebten Fragen auf, die jede Familie zu harmonischen Festtagen stellt: Warum bist du Single? Wo bleiben die Kinder? Ich will Enkelkinder! Wann heiratest du?

In deinem mittlerweile erreichten Zustand fällt es dir schwer diese komplizierten Fragen rund um dein, in den Augen deiner Familie, gescheitertes Liebesleben zu beantworten und du vergräbst deine Blicke in das dritte Stück Baklava.

Um von deinen nicht vorhandenen Romanzen und Kinderwünschen abzulenken, antworte immer mit Gegenfragen und bringe die andere Person zum Sprechen. Ein Beispiel dafür: Auf „Warum hast du keinen Freund/ keine Freundin?“ antwortest du bestenfalls mit: „Ich weiß es auch nicht aber erkläre mir bitte wo du deine große Liebe getroffen hast!“ Auf die Frage nach Heirat und Kindern antwortest du einfach mit Vorschlägen für Namen und Locations, falls das Wunder jemals passieren sollte. Zwar glaubt keiner so bald daran aber alle sind beschäftigt mit der Diskussion.

Wenn es einfach nicht schmeckt…
Oma Milica war im Internet unterwegs und hat sich ein neues Rezept für Entschlackungs-Pita mit Matcha geholt. Leider schmeckt es aber keinem. Da du weißt wie wichtig es ihr ist, dass das Essen gut schmeckt und du ihr armes Großmutter-Herz nicht brechen willst, würgst du den grünen Brocken hinunter und zack! Ein weiteres Stück folgt… (siehe Punkt Nachschlagen).

Eine sehr elegante und jugo-taugliche Version ist es einen Bissen zu probieren, von der angeblichen Delikatesse zu schwärmen und anschließend zu sagen: „Wow! Das ist sehr gut und ich möchte es in Ruhe genießen also kann ich mir mein Stück einpacken lassen und es zu Hause essen?“
Du wirst garantiert das Lieblings-Enkelkind werden.

Rechnung zahlen
Die Feier findet in einem Restaurant statt und du willst die Rechnung übernehmen? Vergiss es, ohne einen guten Streit geht das unter Balkanesen nicht. Gehe bereits davon aus, dass gebrüllt und gedroht wird und dass du am Ende nicht zahlen darfst, weil dein Großonkel alle niederschreit und dann die Rechnung bezahlt.

Du hattest einen tollen Abend mit deinen Liebsten und möchtest dich gerne bedanken, indem du die Rechnung oder einen Teil davon übernimmst? Lasse die anderen diskutieren, herumbrüllen und spare dir deine Energie auf bis der Kellner kommt. Nimm immer viel zu viel Geld aus der Tasche, um zu zeigen, dass du es dir eindeutig leisten kannst und stehe auf, sobald der Kellner kommt. Mache dich breit wie ein Silberrückengorilla und knall die Brieftasche auf den Tisch, anschließend drückst du dem Kellner einfach das Geld in die Hand und fragst erst dann wie viel die Rechnung ausmacht.

Kosmo.at
Bild: Sonntag Morgenmagazin


						
						
					
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