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Wie Kroatien seine Bauarbeiter aus dem Ausland zurückholen kann

von Norbert Rieger
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Laut dem kroatischen Bauingenieur Saša Perko reichen die Wurzeln des Problems mehr als ein Jahrzehnt zurück und erfordern strukturelle Veränderungen im gesamten Sektor.

Die Krisenjahre trieben die Arbeiter ins Ausland

Die Ursprünge des heutigen Mangels lassen sich auf den Zeitraum zwischen 2009 und 2015 zurückführen, als die globale Finanzkrise die kroatische Bauindustrie hart traf.

Viele Unternehmen gingen pleite, Projekte gerieten ins Stocken und Tausende von Fachkräften verloren ihre Arbeitsplätze. Damals war der Sektor eindeutig ein „Arbeitnehmermarkt“ für Arbeitgeber, mit weit mehr Arbeitskräften als verfügbaren Stellen.

Die vorherrschende Einstellung „Wenn du es nicht machst, macht es jemand anderes“ hat dem langfristigen Ansehen des Baugewerbes als stabilem Beruf geschadet.

Als sich die Arbeitsmärkte in Westeuropa nach dem Beitritt Kroatiens zur EU weiter öffneten, verließen viele qualifizierte kroatische Arbeitskräfte das Land und suchten in Ländern wie Deutschland und Österreich nach besseren und planbareren Arbeitsbedingungen.

In den Jahren seither hat Kroatien nicht genügend neue Arbeitskräfte hervorgebracht, um die Abgewanderten zu ersetzen.

Die Lohnlücke besteht weiterhin – verringert sich aber.

Eine der Schlüsselfragen ist, ob Kroatien realistisch mit den Gehältern in Westeuropa konkurrieren kann.

Perko erklärt, dass qualifizierte Bauarbeiter wie Zimmerleute in Deutschland in der Regel etwa 22 bis 25 Euro pro Stunde verdienen, in Österreich hingegen 20 bis 23 Euro.

In Kroatien liegen die Bruttostundenlöhne in der Regel zwischen 12 und 15 Euro, abhängig von der Erfahrung und dem Arbeitgeber.

Auch wenn die Zahlen immer noch für Westeuropa sprechen, sagt Perko, dass der Unterschied deutlich geringer sei als noch vor zehn Jahren.

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Berücksichtigt man Unterkunft, Reisekosten und die Realität des Lebens fernab der Familie, so ist der finanzielle Vorteil im Ausland nicht immer so groß, wie er zunächst erscheint.

„Da die Löhne in Kroatien steigen und die Lebenshaltungskosten niedriger bleiben, kann die Lebensqualität insgesamt vergleichbar werden“, erklärt er. „Deshalb sehen wir immer mehr Arbeitnehmer, die einst das Land verlassen haben, zur Rückkehr zurückkehren.“

Die Arbeitszeiten bleiben eine Herausforderung

Die Arbeitsbedingungen bleiben jedoch ein wichtiger Faktor.

In vielen westeuropäischen Ländern wird die 40-Stunden-Woche strikt eingehalten. In Kroatien sind Bauprojekte jedoch nach wie vor häufig auf Überstunden und Samstagsarbeit angewiesen, um die vereinbarten Fristen einzuhalten.

Perko ist der Ansicht, dass dies auf tiefer liegende strukturelle Probleme innerhalb des Sektors hinweist.

„Unsere Branche ist noch immer weniger effizient“, sagt er. „Projekte sind oft auf Überstunden angewiesen, weil die Organisation mangelhaft ist, die Ausrüstung veraltet ist oder die Projektdokumentation unvollständig ist.“

Er schätzt, dass die Industrie bei einer strikten Einhaltung der 40-Stunden-Woche in Kroatien unter den gegenwärtigen Bedingungen rund 20 % mehr Arbeitskräfte benötigen würde, um das gleiche Arbeitsvolumen zu bewältigen.

Modernisierung könnte die körperliche Belastung verringern.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Modernisierung der Baumaschinen und -prozesse.

Technologische Verbesserungen können die körperliche Belastung der Arbeiter deutlich reduzieren. So lassen sich beispielsweise moderne Kunststoffschalungen oft von einer einzelnen Person bewegen, während ältere Stahlschalungen mehr als 100 Kilogramm wiegen und Kräne erfordern.

Solche Innovationen steigern nicht nur die Produktivität, sondern ermöglichen es den Arbeitnehmern auch, länger im Beruf zu bleiben.

Perko ist der Ansicht, dass langfristige Reformen und nicht kurzfristige finanzielle Anreize unerlässlich sind, wenn Kroatien Arbeitnehmer zur Rückkehr bewegen will.

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„Die Leute sind nicht nur wegen der Gehälter gegangen“, sagt er. „Sie sind wegen der Unsicherheit und der Arbeitsbedingungen gegangen.“

Priorität sollte seiner Ansicht nach die Schaffung eines stabilen und planbaren Bausektors mit verlässlichen Arbeitsplätzen, gut organisierten Baustellen, ordnungsgemäß erstellter Projektdokumentation und regelmäßigen und sicheren Gehältern haben.

Arbeitnehmer, die aus dem Ausland zurückkehren, erwarten eine klare Organisation und Stabilität, ähnlich der, die sie in Westeuropa erlebt haben.

„Wenn der Sektor professioneller und berechenbarer wird, werden viele Arbeiter ganz natürlich zurückkehren“, sagt er.

Höhere Löhne haben dazu beigetragen, das Ansehen der Bauberufe, die einst oft als „letzter Ausweg“ galten, wiederherzustellen.

Allerdings reicht die Bezahlung allein nicht aus, um die Arbeiter zurückzugewinnen.

Perko hebt mehrere Faktoren hervor, die von den Mitarbeitern ebenso hoch geschätzt werden, darunter Arbeitsplatzsicherheit und Kontinuität der Arbeit, gut organisierte und geplante Baustellen, respektvoller Umgang seitens der Arbeitgeber und die Möglichkeit, im Laufe der Zeit in weniger körperlich anstrengende Aufsichtsfunktionen aufzusteigen.

Erfahrene Mitarbeiter, so sagt er, sollten schrittweise in Positionen wie Vorarbeiter oder Teamleiter wechseln, wo ihr Wissen und ihre Expertise geschätzt werden.

„Wenn sich Arbeitnehmer respektiert und sicher fühlen, wird die Rückkehr nach Hause zu einer logischen Entscheidung.“

Die nächste Generation gewinnen

Neben der Förderung der Rückkehr von Arbeitskräften muss Kroatien auch junge Menschen dazu motivieren, in Bauberufe einzusteigen.

Stipendien und Ausbildungsplätze können eine wichtige Rolle dabei spielen, zu zeigen, dass Berufe wie Maurer, Elektriker oder Klempner angesehene und finanziell lohnende Karrieren sind.

„Diese Jobs sind heutzutage oft besser bezahlt als Büroarbeit“, sagt Perko.

Er geht außerdem davon aus, dass Technologie und Robotik nach und nach die körperlich anstrengendsten Aufgaben reduzieren werden, sodass sich die Arbeiter auf qualifizierte, präzise Arbeiten konzentrieren können, bei denen Erfahrung am wichtigsten ist.

Perkos eigenes Unternehmen, DOM Invest, verzeichnet eine vergleichsweise geringe Fluktuation; bisher haben lediglich zwei Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, um im Ausland zu arbeiten.

Redaktion Wirtschaft
Bild: Posterland

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