Einen Tag nachdem die Leiche des vierten Opfers eines schweren Schiffsunglücks vor der Pforte von Split vom Meeresgrund geborgen wurde, setzen die Ermittler ihre intensive Arbeit vor Ort fort. Die Klärung der genauen Ursache der Tragödie, bei der vier tschechische Staatsbürger ums Leben kamen und vier weitere verletzt wurden, könnte Monate dauern; Schätzungen der Behörden zufolge könnte der Abschlussbericht bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen.
Die Ermittlungen finden derzeit auf mehreren Ebenen statt. Während die strafrechtlichen Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft des Landkreises geführt werden, ist die sicherheitsrelevante Untersuchung von der Agentur zur Untersuchung von Unfällen im Luft-, See- und Schienenverkehr geleitet. Der Seeunfallermittler Slaven Bušić betonte, dass es sich um einen der schwersten Unfälle seiner Laufbahn handele und hob hervor, dass bei sicherheitsrelevanten Untersuchungen stets Qualität und Gründlichkeit im Vordergrund stünden, nicht die Schnelligkeit.
Beweissammlung und der internationale Charakter der Untersuchung
Bislang wurden zahlreiche Zeugen befragt und diverse Aufnahmen sichergestellt, die Aufschluss über den Zeitpunkt der Kollision geben könnten. Zudem wurde eine toxikologische Untersuchung der Personen angeordnet, die die Schiffe steuerten bzw. sich zum Zeitpunkt des Unfalls am Steuer befanden. Da es sich bei den Opfern um Gäste aus Tschechien handelte, die seit Jahren in Kroatien Urlaub machten, könnten auch tschechische Ermittler in die Ermittlungen einbezogen werden, was dem Fall eine internationale Dimension verleihen würde.
Ein entscheidender Schritt zur Aufklärung dieser Tragödie ist die Untersuchung des Segelboots vor Ort. Dafür muss es jedoch vom Meeresgrund geborgen werden, wo es in etwa 50 Metern Tiefe liegt. Die Vorbereitungen für diese technisch äußerst anspruchsvolle Aufgabe haben bereits begonnen.
Drei Prioritäten beim Segeltörn
Ivan Cokarić, Inhaber eines auf die Bergung gesunkener Schiffe spezialisierten Unternehmens, erklärte gegenüber HTV, dass es sich um einen komplexen Vorgang handele, der die strikte Einhaltung von Regeln und die Erstellung einer speziellen Studie erfordere. Seinen Angaben zufolge seien drei Aspekte entscheidend:
Die größte Sorge gilt den Tauchern und technischen Teams, die in großer Tiefe arbeiten. Das Wrack muss ohne weitere Beschädigung geborgen werden, um sicherzustellen, dass die für die Untersuchung entscheidenden forensischen Beweismittel erhalten bleiben. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, jegliche Meeresverschmutzung und Umweltunfälle während der Bergung zu verhindern.
Die Branche fordert dringende Veränderungen in der Adria
Diese Tragödie hat die Frage der Navigationssicherheit in der Adria, wo der Schiffsverkehr in den letzten zwanzig Jahren drastisch zugenommen hat, erneut aufgeworfen. Erfahrene Seeleute, Kapitäne und alle, die auf See arbeiten, fordern dringende und grundlegende Gesetzesänderungen.
Experten warnen vor der gefährlichen Praxis, das Steuer unerfahrenen Personen zu überlassen, was in Meerengen und engen Passagen wie der Straße von Split inakzeptabel ist. Zu den konkreten Vorschlägen, die in maritimen Kreisen diskutiert werden, gehören die Einführung strengerer und komplexerer Bedingungen für den Erwerb von Kapitänslizenzen, die Pflicht zur regelmäßigen Verlängerung dieser Lizenzen sowie die Einführung von Seezeichen und klar definierten, festen Schifffahrtskorridoren in den dicht befahrenen und exponiertesten Bereichen der Adria.
Redaktion Nautik
Bild: Morski.hr





