Mit Beginn der Sommersaison füllen sich die Marinas und Uferpromenaden der Adria mit Hunderten von Bootskapitänen oder Kapitänen größerer Schiffe, die in Uniform und mit einer gewissen Autorität gecharterte Segelboote, Katamarane, Luxus-Motoryachten und Minikreuzer steuern. Während Touristen und Laien sie im informellen Sprachgebrauch üblicherweise als „Kapitän“ ansprechen, hat diese Bezeichnung in der professionellen Schifffahrtswelt eine ganz andere Bedeutung und gilt dort sogar als Beleidigung des Berufsstandes.
Die Verwechslung der Begriffe „Skipper“, „Yachtkommandant“ und „Kapitän“ ist weit verbreitet, doch die rechtlichen, ausbildungsbezogenen und beruflichen Unterschiede sind unübertroffen. Nur weil jemand goldene Streifen auf seinem weißen Hemd trägt, berechtigt ihn das nicht automatisch zu diesem traditionsreichen Titel.
Rechts-ABC: Wer ist wer auf See?
Der Hauptunterschied liegt im Seeschifffahrtsgesetz und dem internationalen STCW-Übereinkommen. In der Schifffahrt werden strikt drei Kategorien von Personen am Steuer unterschieden:
Skipper (Bootsführer)
Es bezeichnet eine Person, die einen Kurzlehrgang im Hafenmeisteramt absolviert, eine theoretische Prüfung besteht und eine Lizenz zum Führen von leichten gewerblichen oder Freizeitschiffen (in der Regel bis zu 15 Meter Länge oder bis zu 30 Bruttoregistertonnen) erhält. Ein Skipper auf einem Charterboot arbeitet üblicherweise allein, mit maximal einer Hostess, und seine Hauptaufgabe besteht in der Navigation und der Unterhaltung der Gäste.
Yacht Master
Dies ist eine höhere professionelle Stufe als die eines Skippers. Diese Seeleute führen Yachten von 100 bis 500 Bruttoregistertonnen (Kategorien A und B). Sie absolvieren eine intensivere Ausbildung, legen anspruchsvolle Prüfungen ab und besitzen eine gewerbliche Lizenz. Obwohl sie auf ihren Luxusyachten Uniformen mit Schulterklappen tragen und eine professionelle Crew befehligen, sind sie rechtlich und seefahrtstechnisch noch keine Kapitäne. Ihre Lizenz ist streng auf Tonnage und Schiffstyp (ausschließlich Yachten) beschränkt.
Er ist der rechtliche Leiter eines Schiffes unbegrenzter Tonnage – von riesigen Containerschiffen und Kreuzfahrtschiffen bis hin zu Seetankern. Der Kapitän hat keine formale Ausbildung absolviert, dafür aber jahrelange akademische Bildung und militärische Disziplin. Er führt ein komplexes System der Schiffshierarchie und trägt die Verantwortung für das Leben Hunderter Menschen, Millionen Ladungen und die ökologische Sicherheit der Ozeane.
Die Illusion der Schulterstücke – Eine Uniform macht noch keinen Kapitän
Im nautischen Tourismus und der Megayacht- und Minikreuzfahrtbranche spielt die Ästhetik eine große Rolle. Eigner von Luxusyachten und Charteragenturen verlangen von der Crew ein makellos professionelles Erscheinungsbild. Deshalb sieht man an den Ufern der Adria häufig Skipper und Yachtkapitäne mit drei oder sogar vier goldenen Streifen auf den Schultern.
In der Handelsmarine sind die vier goldenen Schulterstücke mit dem „Auge“ (die sogenannte Nelson-Schleife) ausschließlich dem Kommandanten eines Schiffes ohne Tonnage vorbehalten. Auf Yachten hingegen werden diese Schulterstücke oft auch an Bord getragen, quasi als Teil der üblichen Kleiderordnung, damit die Gäste wissen, wer das Sagen hat. Rechtlich gesehen haben diese Schulterstücke jedoch nur innerhalb der jeweiligen Yacht Bedeutung und verleihen ihr nicht die gleiche Bedeutung wie dem Kapitänsrang vor den Hafenbehörden und dem Seerecht.
Der dornenreiche Weg zu echten Kapitäns-Epauletten
Um als Seemann ein echter Kapitän mit internationaler Anerkennung (STCW II/2) zu werden, dauert der Prozess mindestens ein Jahrzehnt und muss vier sehr anspruchsvolle Stufen durchlaufen:
- Höhere Ausbildung: Der erste Schritt ist der Abschluss einer Seefahrtschule, gefolgt von einem Bachelor-Abschluss an einer maritimen Fakultät (mit Schwerpunkt Nautik).
- Kadettenausbildung: Nach dem Abschluss verbringt ein Seemann 12 Monate auf See und verrichtet als Decksmann (Kadett) die körperlich anstrengendsten Arbeiten. Anschließend legt er die staatliche Prüfung ab, um Offizier zu werden.
- Jahrelange Karriere: Der Weg führt über die Ränge des dritten und zweiten Offiziers. Um zur Kapitänsprüfung zugelassen zu werden, muss ein Seemann mindestens 36 Monate reine Seefahrtzeit (Navigation) als Offizier auf Schiffen mit über 3.000 Bruttoregistertonnen absolviert haben.
- Strenge Brevets: Es müssen Dutzende teurer Prüfungen abgelegt werden (fortgeschrittene Brandbekämpfung, medizinische Versorgung an Bord von Schiffen, Krisenmanagement, GMDSS-Systeme).

Während man mit 18 Jahren Skipper werden kann und nach einigen Jahren Arbeit im Tourismus Yachtkapitän, erhalten wahre Kapitäne der unbegrenzten Segelkunst ihre Schulterstücke erst im Alter von 28 bis 30 Jahren, was angesichts der Tatsache, dass sie Hunderttausende von Seemeilen auf den Weltmeeren zurückgelegt haben, ebenfalls sehr optimistisch ist.
Wenn Sie also das nächste Mal einen Touristenkatamaran, einen Minikreuzer oder eine Luxusyacht betreten, grüßen Sie ruhig die Person am Steuer mit Respekt für ihre Bemühungen und Fähigkeiten – aber überlassen Sie den Titel des Kapitäns denen, die sich ihr Gold durch jahrelange Stürme auf dem Ozean, schlaflose Nächte und immense rechtliche Verantwortung verdient haben.
Redaktion Nautik/Jurica Gaspar (Kapitän)
Bild: sails of croatia







