Während der Großteil Europas weiterhin zum Euro steht, sagt man in Kroatien zunehmend : „Das funktioniert für uns nicht.“ Eine neue Eurobarometer-Umfrage zeigt, dass die Zustimmung zur Gemeinschaftswährung in Kroatien auf nur noch 38 Prozent gesunken ist – einer der niedrigsten Werte in der Eurozone und ein Rückgang um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr, berichtet IndexBox.
Für viele Kroaten ist der Euro mittlerweile untrennbar mit höheren Preisen und einem schmerzhaften Anstieg der Lebenshaltungskosten verbunden . Fast sechs von zehn Menschen rechnen beim Einkaufen die Preise immer noch im Kopf in Kuna um – eine tägliche Erinnerung daran, dass sich alles teurer anfühlt als früher. Die Übergangsphase mag zwar offiziell beendet sein, doch für die Verbraucher ist der Preisschock offensichtlich noch nicht vorbei.
Auch die empfundene emotionale Distanz zur Währung ist auffällig. Während die Mehrheit der Eurozonen-Bürger angibt, sich durch den Euro europäischer zu fühlen, stimmt dem weniger als die Hälfte der Kroaten zu . Das Versprechen von Einheit und Komfort wird von alltäglichen Frustrationen an Supermarktkassen, in Cafés und an Tankstellen überschattet.
Es besteht jedoch ein Generationenunterschied. Jüngere Kroaten sind deutlich positiver eingestellt: 76 Prozent der 15- bis 24-Jährigen halten den Euro für gut für das Land. Ältere Altersgruppen sind wesentlich skeptischer, was darauf hindeutet, dass die Sehnsucht nach der Kuna – und die stärkere Sensibilität gegenüber steigenden Preisen – nach wie vor tief verwurzelt ist.
In der EU insgesamt punktet der Euro weiterhin mit seinen Vorteilen für Reisen, Geschäftsaktivitäten und Preisvergleiche. Doch für viele kroatische Haushalte, die mit ihrem monatlichen Budget haushalten müssen, scheinen diese Vorteile in weiter Ferne zu liegen. Selbst vorgeschlagene Vergünstigungen wie niedrigere Bankgebühren können eine Bevölkerung, die sich auf das Hier und Jetzt konzentriert, nicht überzeugen.
Und was Kleingeld angeht, könnten sich die Kroaten bald dem Rest Europas anschließen. Rund sechs von zehn Bürgern der Eurozone wollen die 1- und 2-Cent-Münzen abschaffen , und in einigen Ländern werden Preise bereits auf die nächsten fünf Cent gerundet. Für Kroatien mag das ein kleiner Schritt zur Beruhigung der Gemüter sein – doch es wird nicht das tieferliegende Gefühl beseitigen, dass der Euro mit Versprechen eingeführt wurde, die bisher nicht vollständig eingelöst wurden.
Redaktion Wirtschaft
Bild: Bundesregierung





