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Zwei Welten prallen aufeinander: Motorradunfälle im Sommer

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Viele junge (und in der Midlife-Crisis befindliche) Biker in ganz Europa planen nun gespannt ihren Radurlaub in Kroatien in diesem

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Sommer. Wie viele werden dieses Jahr auf unserer Küstenstraße getötet?

Wenn ich München nach einem langen Aufenthalt in unserem Ferienhaus in seiner herrlichen Abgeschiedenheit besuche, nehme ich wieder alle Geräusche der Zivilisation in mich auf – den Verkehr, die Flugzeuge und, ich beschäme mich, das Heulen von Krankenwagensirenen. Wenn Sie in einem großen Ballungszentrum leben, können Sie sich eine Welt ohne Sirenen nur schwer vorstellen. Aber auf der Küstenstraße zwischen Istrien und Rijeka hört man selten einen.

So sitze ich heute in einem unserer Lieblingsrestaurants, Flanona, nahe dem Ende dieser Küstenstraße, und höre meine Ohren auf die ungewöhnlichen Geräusche einer Sirene. Jetzt weiß jeder, der wie wir an der Grenze zwischen zwei Landkreisen – Istrien und – Primorje Gorksi Kotar – lebt, dass, wenn Sie einen Krankenwagen hören, der Unfall nahe ist. Das liegt daran, dass Krankenwagen aus jedem Landkreis an der Grenze halten (was zufällig genau dort ist, wo wir leben). Daher bringt eine Krankenwagensirene normalerweise alle Einheimischen heraus, um zu sehen, was passiert ist, wie es heute der Fall war.

Es war kein Autounfall (zu früh im Jahr), sondern, wie uns eine aufgeregte Frau erzählte, die auf Flanonas Parkplatz fuhr, um das Drama anzukündigen, ein alter Mann, der nach wildem Spargel gesucht hatte und ausgerutscht war von ziemlich hoch auf die Straße. Ich hatte gerade an diesem Morgen eine alte Frau gesehen, die am Straßenrand ebenfalls das Gleichgewicht verlor, als sie nach Spargeln suchte. Aber Spargelsammelunfälle sind heute nicht mein Thema. Es ist die Unvermeidbarkeit von Unfällen auf diesem Straßenabschnitt im Sommer.

Am schlimmsten sind die Motorradunfälle. Tatsächlich steht gleich die Straße runter von Flanona ein Schild, das darauf hinweist, dass der nächste Straßenabschnitt „anspruchsvoll für Motorräder“ ist. Dafür wollte ich schon oft meine englischen Dienste anbieten, denn „anspruchsvoll“ kann man nur als spannende Herausforderung für Motorradfahrer lesen. Besser wäre ein Totenkopf-Warnschild vor der hohen Unfallrate. Erst kürzlich prallte unweit dieses Schildes ein junges Paar gegen die Barrikade, flog über ihr Fahrrad und die Barrikade und stürzte 40 Meter den Berghang hinunter in den Tod.

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Normalerweise hören wir nur im Sommer die Sirenen der Krankenwagen, wenn Touristen ankommen, und fahren mit Blick auf die Küste für einheimische Fahrer zu langsam. Dann prallen zwei Welten aufeinander. Denn viele Kroaten fahren, als wäre der Teufel hinter ihnen her. Sie überholen in Kurven. Sie überholen auf durchgezogenen Linien. Und wenn sie gar nicht überholen können, fahren sie dir direkt hinterher. Ich warne meine Gäste immer, so weit wie möglich rechts zu fahren, denn Einheimische bevorzugen die falsche Straßenseite, um eine Kurve zu meistern. (Fahrstunde von meiner Nachbarin: Wer Kurven kürzt, spart Reifen.)

Die Tochter unserer ehemaligen Postbotin, die laut meiner Nachbarin immer zu schnell gefahren ist (und das will was heißen!), ist einmal über die Klippe gefahren. Wie durch ein Wunder überlebte sie, da das Auto von Bäumen gebremst wurde, damit es nicht im Meer landete. Der Sohn unseres Mechanikers aus der Nachbarschaft hat sie mit seinem Pick-up-Truck abgeholt.

Aber meistens haben die Unfälle kein gutes Ende. Vor ein paar Jahren fuhr direkt unter unserem Haus ein 19-Jähriger – der Freund der Tochter der Frau, der das Haus neben uns gehörte – sein Auto mit über 170 km/h, verlor in der Kurve die Kontrolle und prallte zusammen ein entgegenkommender Bus. Er und sein 24-jähriger Beifahrer waren sofort tot. Und doch, trotz dieser schrecklichen Warnung, haben wir den einen oder anderen Möchtegern-Rennfahrer, der regelmäßig mit testosterongefütterten Geschwindigkeiten die Kurven unter uns nimmt.

Statistiken zeigen, dass Motorradunfälle die schlimmsten Verkehrstoten verursachen. Oft liegt es daran, dass einheimische Fahrer die Kurve auf der falschen Seite nehmen. Zweimal fuhr in unserer Nähe eine Gruppe einheimischer Biker auf der falschen Straßenseite in eine entgegenkommende Gruppe ausländischer Biker. In einem Fall kamen alle ums Leben. Der Anblick ihres Unfalls wird nun nicht nur von den allgegenwärtigen, gespenstisch leuchtenden roten Kerzen geprägt, sondern auch von leeren Bierdosen, die an den Bäumen hängen. Es macht mich jedes Mal sehr traurig, wenn ich an der Stelle vorbeikomme.

Und ich frage mich, wie viele junge Männer und Frauen, die jetzt aufgeregt ihren Sommerurlaub in Kroatien planen, dieses Jahr auf dieser Straße getötet werden? Der Tourismus wächst. Die Küstenstraße mit ihren tückischen Kurven und Klippen zum Meer wird immer voller. Wie wäre es mit einer einfachen Sensibilisierungskampagne? Zumindest ist eine Verkehrssicherheitskampagne erforderlich, in der es darum geht, nicht auf einer durchgezogenen Linie zu überholen oder auf der falschen Straßenseite zu fahren. Oder zumindest im Sommer langsamer zu fahren, um Ausländer zu schützen, die nicht im Kamikaze-Fahren geschult sind.

Redaktion Land und Leute/Vicki Sussens
Bild: ADAC-SE
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