Home Wirtschaft Kann Kroatien sich in einer Krise selbst versorgen?

Kann Kroatien sich in einer Krise selbst versorgen?

von Norbert Rieger
0 Kommentare 4 Minuten Lesezeit

Wie HRT berichtete, wurde das Thema auf der interparlamentarischen Konferenz „ Vom Feld bis zum Meer – Eine gemeinsame Vision für die Ernährungssicherheit und strategische Autonomie der EU“ in Dubrovnik erörtert, wo die Teilnehmer eine stärkere heimische Produktion und eine besser planbare Unterstützung für die Landwirte forderten.

Angesichts des Klimawandels, geopolitischer Spannungen und Störungen internationaler Lieferketten wird die Ernährungssicherheit zunehmend als nationales Sicherheitsproblem betrachtet.

Marijana Petir, Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses des kroatischen Parlaments, erklärte, Landwirte und Fischer seien für eine zuverlässige Lebensmittelversorgung unerlässlich. Sie forderte kürzere Lieferketten und einen höheren Anteil heimischer Lebensmittel auf den kroatischen Tellern.

Petir argumentierte außerdem, dass Kroatien seinen Ansatz in der Agrarpolitik ändern müsse, und wies auf die wirtschaftlichen Nachteile hin, die sich aus dem Export von landwirtschaftlichen Rohstoffen bei gleichzeitigem Import von Fertigprodukten ergeben.

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Die landwirtschaftliche Produktion steht vor mehreren Herausforderungen

Obwohl es in Kroatien Beispiele für hochproduktive landwirtschaftliche Betriebe gibt, insbesondere im Bereich des Gewächshausgemüseanbaus, wird eine weitere Expansion durch einen Mangel an Fachkräften eingeschränkt.

Tomislav Vinković, Dekan der Fakultät für Agrarbiotechnische Wissenschaften in Osijek, betonte die Notwendigkeit einer besseren Ausbildung in Agrar- und Lebensmitteltechnologie, einschließlich eines höheren Bedarfs an qualifizierten Agrartechnikern und Agronomen. Die vergleichsweise niedrigen Löhne in diesem Sektor stellten ein weiteres Hindernis dar.

Zdravko Tušek, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei, erklärte, dass Junglandwirte in Kroatien rund 14 % der Landwirte ausmachen, verglichen mit einem EU-Durchschnitt von 12 %. Die Erhöhung ihrer Zahl und die Unterstützung bei der Übernahme landwirtschaftlicher Betriebe durch sie gehörten zu den Prioritäten des Landes.

Aindrias Moynihan, Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses der EU für Landwirtschaft und Ernährung, betonte, dass die Landwirte einen stabilen politischen Rahmen, ein tragfähiges Einkommen und die Gewissheit bräuchten, dass die Landwirtschaft auch für künftige Generationen eine nachhaltige Lebensgrundlage bleibe.

EU-Förderung und Tourismus gehören zu den wichtigsten Themen

Die Konferenz befasste sich auch mit vorgeschlagenen Änderungen des nächsten EU-Haushaltszeitraums, wobei Bedenken hinsichtlich potenzieller Kürzungen der Mittel für Landwirtschaft und Fischerei geäußert wurden.

Petir forderte ausreichende Finanzmittel, um die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte zu verbessern. Sie schlug außerdem vor, den Verkauf von Produkten unterhalb der Produktionskosten als unlautere Handelspraxis zu ahnden, da der Preisdruck die heimischen Produzenten schwächen könnte.

Der Tourismus wurde als weitere Möglichkeit zur Stärkung der lokalen Lebensmittelproduktion identifiziert. Allerdings wird ein Großteil der Lebensmittel, die Besuchern in Kroatien serviert werden, importiert.

Nikolina Trojić, Präsidentin der Handelskammer der Gespanschaft Dubrovnik-Neretva der Kroatischen Wirtschaftskammer, schlug die Einrichtung eines regionalen Logistik- und Vertriebszentrums vor, um Produkte von kleineren Erzeugern zu sammeln und Hotels, Gastronomiebetriebe und andere Kunden zu beliefern.

Die Konferenz kam zu dem Schluss, dass die Ernährungssicherheit von der heimischen Produktion, strategischen und operativen Reserven, einer zuverlässigen Infrastruktur und einer ausreichenden langfristigen Finanzierung abhängt.

Die Teilnehmer betonten, dass die Stärkung dieser Grundlagen Kroatien und der gesamten Europäischen Union helfen würde, die Lebensmittelversorgung auch in künftigen Krisen aufrechtzuerhalten.

Redaktion Wirtschaft
Bild: Dalmatika Media

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