Viele Kroaten haben das Gefühl, zu viel Steuern zu zahlen, doch die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild, wie tportal.hr berichtete.
Nach den aktuellsten verfügbaren Zahlen liegt Kroatiens Anteil an Steuern und Sozialabgaben am BIP bei 38,5 % und damit leicht unter dem Durchschnitt der Europäischen Union von rund 40,1 %.
Damit liegt das Land im Hinblick auf die gesamte Haushaltsbelastung im Mittelfeld.
Experten betonen jedoch, dass die reinen Kennzahlen allein nicht über die Wettbewerbsfähigkeit im Steuerbereich entscheiden.
Der Zusammenhang zwischen dem Steueraufkommen im Verhältnis zum BIP und der Attraktivität eines Steuersystems ist weder einfach noch linear. Entscheidender ist die Struktur des Systems, seine Vorhersagbarkeit und die einfache Einhaltung der Steuervorschriften für die Steuerzahler.
Gut konzipierte Steuerregeln können Wirtschaftswachstum fördern und gleichzeitig ausreichend Einnahmen generieren, um öffentliche Prioritäten zu finanzieren. Werden Steuereinnahmen klug in Infrastruktur, Bildung, Digitalisierung und eine effiziente Justiz investiert, können selbst relativ hohe Steuern mit starker Wettbewerbsfähigkeit vereinbar sein.
Skandinavische Länder wie Dänemark und Schweden werden häufig als Beispiele angeführt. Sie weisen einen der höchsten Steueranteile Europas auf und profitieren dennoch von Rechtssicherheit, stabilen Regulierungen und effizienten öffentlichen Dienstleistungen.
Italien hingegen zeigt, wie eine hohe Steuerbelastung in Verbindung mit einem komplexen und verzerrenden System die Wettbewerbsfähigkeit untergraben kann.
Im jüngsten Ranking der Steuerwettbewerbsfähigkeit der Tax Foundation belegte Kroatien unter 32 europäischen Ländern den 16. Platz.
Die Studie legt nahe, dass die Hauptschwächen des kroatischen Systems nicht in den Gesamtsteuersätzen, sondern in seiner Struktur und Stabilität liegen. Hohe Lohnsteuern, häufige Regulierungsänderungen und administrative Komplexität mindern seine Attraktivität.
Positiv hervorzuheben ist Kroatiens günstige Unternehmens- und Immobilienbesteuerung. Mit einem Körperschaftsteuersatz von 18 % für größere Unternehmen und 10 % für kleinere Betriebe zählt Kroatien zu den zehn günstigsten Ländern Europas in dieser Kategorie. Die Immobilienbesteuerung ist weiterhin vergleichsweise niedrig, schreibt tportal.hr .
Laut Eurostat machen Grundsteuern in der gesamten EU etwa 5,2 % der gesamten Steuereinnahmen aus, in Kroatien sind es hingegen nur etwa 2,5 %.
Schwächen bestehen weiterhin bei der grenzüberschreitenden Besteuerung, wo Kroatien aufgrund des Risikos einer Doppelbesteuerung und begrenzter Entlastungsmöglichkeiten im unteren Bereich rangiert.
Die Verbrauchssteuern haben ebenfalls eine erhebliche Bedeutung, mit einem regulären Mehrwertsteuersatz von 25 % und einem komplexen System ermäßigter Steuersätze. Die Einkommensteuer rangiert aufgrund der relativ hohen Belastung für mittlere und höhere Einkommen im unteren Bereich.
An der Spitze des Gesamtrankings der Wettbewerbsfähigkeit steht Estland, gefolgt von Lettland und Bulgarien. Die Schweiz zeichnet sich derweil durch einen starken Konsum und vorteilhafte grenzüberschreitende Steuerregelungen aus.
Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Die eigentliche Frage ist nicht, wie viel der Staat einnimmt, sondern wie er es einnimmt und was die Steuerzahler im Gegenzug erhalten.
Redaktion Wirtschaft
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