Die diesjährige Touristensaison in Kroatien wurde von Experten als „etwas seltsam“ und anders als in den Vorjahren beschrieben.
Während offizielle Berichte des Tourismusministeriums und des kroatischen Tourismusverbandes ein Wachstum bei den Übernachtungen verzeichnen, warnen viele Hoteliers und Betreiber von Gaststätten davor, dass die Umsätze schwächer ausfallen und die Gewinne weiterhin unter erheblichem Druck stehen.
Goran Fabris, Vorstandsmitglied der Hotelkette Rudan, wies darauf hin, dass die Kapazitäten zwar jedes Jahr weiter ausgebaut würden, die Gästezahlen jedoch nicht Schritt hielten.
„Die Zahlen sind höher, die Übernachtungen sind höher, die Gesamteinnahmen werden höher sein, aber diejenigen, die nicht rechtzeitig investiert haben, werden ernsthafte Einkommensprobleme bekommen“, sagte Fabris gegenüber HRT .
Unternehmer Petar Ćurlin schloss sich dieser Meinung an. Sein Hotel verzeichnete acht Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahr, die Hochsaison im Sommer sei allerdings schwächer ausgefallen.
„Höhere Einnahmen bedeuten nicht automatisch höhere Gewinne – im vergangenen Jahr ist unser Nettogewinn um 30 Prozent gesunken. Das schränkt den Spielraum für Investitionen und die Verbesserung der Mitarbeiterstandards ein“, erklärte er.
Gäste und Qualität
Sowohl Fabris als auch Ćurlin betonten, wie wichtig Qualität und die Gewinnung kaufkräftiger Gäste seien.
Ćurlin warnte, dass dieses Jahr mehr Besucher aus der mittleren und unteren Preisklasse kamen, während der Schwerpunkt darauf liegen sollte, diejenigen mit größerer Kaufkraft anzulocken.
Er betonte auch die Bedeutung der Gastfreundschaft:
„Gäste wollen das Reiseziel erleben und nicht nur dort bleiben. Dem kroatischen Tourismus fehlt es an Wärme, weil ein Großteil der Arbeitskräfte Ausländer sind, die mit der Sprache und Kultur nicht vertraut sind“, sagte er gegenüber HRT .
Fabris fügte hinzu, dass Investitionen in Hotels und Apartments allein nicht ausreichen, ohne ganze Reiseziele zu entwickeln.
Er wies darauf hin, dass die hohen Baukosten einen weiteren Kapazitätsausbau erschweren. Er verwies auch auf die veränderte Einstellung jüngerer Arbeitnehmer gegenüber Arbeitsplätzen im Tourismus:
„Die Zeiten haben sich geändert – junge Menschen arbeiten, um weiterzukommen. Wir sollten sie nicht zu sehr kritisieren; der Arbeitsmarkt funktioniert heute anders“, schloss er.
Der Ausblick
Während die Tourismuszahlen Kroatiens auf dem Papier robust bleiben, deuten Bedenken hinsichtlich der Gewinnspannen, der Herausforderungen beim Personal und der Notwendigkeit authentischerer Gästeerlebnisse darauf hin, dass der Sektor vor erheblichen Herausforderungen steht.
Kroatien meldete in den ersten sechs Monaten des Jahres einen Anstieg der Ankünfte und Übernachtungen um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Experten sind sich einig, dass nachhaltiges Wachstum nicht nur Investitionen in die Infrastruktur, sondern auch in die Menschen und die Qualität des Gesamtangebots erfordert.
Redaktion Tourismus
Bild: solis porec