Home In eigener Sache Den Kroaten sollte man das Trinkwasser einstellen und die Rechnungen verdoppeln

Den Kroaten sollte man das Trinkwasser einstellen und die Rechnungen verdoppeln

15 min gelesen
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Als Nation haben wir uns mal wieder von unserer besten Seite gezeigt. In Split ist das Trinkwasser, noch seit dem Römischen Reich, eines der qualitativ hochwertigsten und heute färbt es sich nach jedem stärkeren Regenfall braun und niemand weiß warum das so ist. In Slavonski Brod ist das Trinkwasser schon seit Wochen nicht mehr „genießbar“, man darf es nicht einmal zum Kochen verwenden. Prompt reagiert die kroatische Regierung und fährt vor Ort, um sich ein Bild der Lage zu verschaffen, um sich kurz vor den laufenden Kameras zu zeigen, dann gehen sie ohne eine Lösung beschlossen zu haben.

In diesem Land scheint es niemanden zu interessieren warum es im Jahr 2018 in einer Stadt nach der anderen zum Einsturz der Trinkwasserversorgung kommt. Die Politiker streiten sich, die Polizei tut so als ob sie etwas machen würde, doch niemand hat wirklich Ahnung was da überhaupt vorgefallen ist. Wie auch? Es juckt ja keinen, da im Endeffekt niemand davon etwas hat. In einem normalen Staat würden die Verantwortlichen für so ein Debakel mit der Nase auf dem Boden liegen, um anschließend in Handschellen abgeführt zu werden. Bewusst Trinkwasserquellen verunreinigen kann man durchaus als Akt des Terrorismus bezeichnen, definitiv handelt es sich hierbei um eine Straftat. Doch was macht z.B. Milan Bandić, Bürgermeister von Zagreb…? Nichts! Er stellt sich vor die Kameras und tut als ob nichts gewesen wäre. Jemanden zur Verantwortung ziehen? Warum denn auch? Das macht doch nichts wenn illegal mehrere Tonnen von Müll an einer Wasserquelle (5km vom Stadtzentrum Zagrebs) abgeladen werden. Die Euros und Kunas in der eigenen Tasche sind viel interessanter.

Doch warum sollte sich denn auch jemand diesbezüglich beschweren? Die Bürger kaufen fleißig ihr Wasser in Kanistern oder in Plastikflaschen und warten vor den Lastwagen mit den Wassertanks – die u.a. aus Zagreb nach Slavonski Brod gekarrt wurden. Hoffen wir nur dass die Tanks nicht an der „Savica“ mit frischem Wasser befüllt wurden, denn dort häufen sich die Müllberge ebenfalls. Der kroatische Gesundheitsminister will das Wasser aus Slavonski Brod nicht trinken und auf der anderen Seite behauptet er, dass mit dem Wasser alles in Ordnung sei!?? Herr Minister, warum wollen Sie dann das Wasser nicht trinken? Im 21. Jahrhundert haben sich die Kroaten einmal mehr von ihrer Schokoladenseite gezeigt, sie sind nicht einmal in der Lage grundlegende infrastrukturelle Themen zu meistern – sauberes Wasser. Hello Europe! Croatia full of life… Touristische Zentren, die im 21. Jahrhundert immer noch nicht an eine Kanalisation angeschlossen sind, sondern jeder Haushalt seine Mistgrube hinterm Haus leeren muss und dem ein oder anderen Touristen der Appetit dabei vergangen ist, solange er auf der Terrasse saß. So manch einen wundert es, warum gibt es diesbezüglich keine Proteste, warum füllen die Menschen nicht die öffentlichen Plätze? Es gibt keine Plakate, keine Flyer… Alle sind ruhig. Alle sind auf einmal verstummt. Erneut warten sie und hoffen das bessere Zeiten kommen, natürlich mit den gleichen Politikern wie bisher. Zum hundertsten Mal.

Das Trinkwasser ist nicht so interessant wie öffentliche Plätze die nach Tito benannt sind

Soll ein Platz nach Tito benannt werden, wie sieht das Schicksal der Straße von Mile Budak aus? Wie wird in den Geschichtsbüchern über Ante Pavelić, Franjo Tuđman geschrieben – das sind Themen die in Kroatien die Gemüter erhitzen. Das Ergebnis wäre ein neu aufgerichtetes Zelt der „Kriegsveteranen“ mitten in der Stadt, evtl. würden sie sich wieder in einer Kirche verbarrikadieren und mit Gasexplosionen drohen, Straßen blockieren – man würde seine Gefechte wie vor 75 Jahren ausführen – doch wenn es um elementar wichtige Themen, wie z.B. die Trinkwasserversorgung oder die Müllentsorgung geht – dann verstummen alle Stimmen. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder, zuerst Split, dann Slavonski Brod, dann Zagreb und morgen?

Kaum jemand wird sich trauen und zum Protest aufrufen, niemand wird der aktuellen politischen „Elite“ ehrlich sagen, dass sie ihre Chance verspielt hat, niemand wird sich trauen einen Politiker öffentlich zu kritisieren. Weshalb? Sie wollen dem kleinen Sohnemann oder der kleinen Tochter der Tante, nicht die einmalige Chance ihres Lebens nehmen, die Chance sich im Bürgerbüro als Kopierfachkraft auszuzeichnen. Niemand wird sich trauen etwas gegen die aktuellen Machthaber zu sagen, nein, nein – der Großteil wird bei den nächsten Wahlen erneut für die gleiche Option wählen, sie werden sie noch stärker befürworten, noch intensiver applaudieren, mit schäumenden Mündern vor den Bühnen stehen und „Hrvatska! Hrvatska!“ schreien und die kommenden Minister auf den Händen tragen. All dies mit der Hoffnung, dass sie das nächste Mal vielleicht einen Kanister mehr mit reinem Wasser bekommen.

Was wir gerade in Kroatien verfolgen können – das ist noch nie geschehen. Sogar die Römer haben Wasserleitungen und Wasserwerke gebaut und waren stolz darauf, die Türken nahmen ihr Wasser überall mit wo sie hinkamen und würden eine öffentliche Wasserstelle (Brunnen) bauen lassen. Von Dubrovnik bis zu dem einst venezianischen Zadar waren die „bunari“ (Brunnen) bekannt. Als später die Österreicher aus dem weiten Wien ihre Ingenieure nach Kroatien schickten um die römischen Wasserleitungen zu reparieren und zu modernisieren, verhalfen sie den kroatischen Städten sich zu urbanen Zentren zu entwickeln. Jeder, der in den letzten 1700 Jahren in Kroatien die Macht inne hatte, wie auch in den benachbarten Staaten, baute Aquädukte, Wasserleitungen, Wasserstellen, Brunnen usw. Der Bevölkerung trinkbares Wasser zur Verfügung zu stellen wurde als Erfolg angesehen und dementsprechend gefeiert.

Und dann kam die Unabhängigkeit Kroatiens und der totale Zerfall der wesentlichen Infrastruktur. Etwas worüber sich schon die Römer kümmerten, die Österreicher, danach sogar Jugoslawien – zerfällt heute einfach so. Die Menschen warten in Reih und Glied bis sie ihr Wasser in Empfang nehmen dürfen während die Politiker sich gegenseitig beschuldigen. Es handelt sich hierbei nicht um die Ratifizierung der Istanbuler Konvention, nein, hierbei geht es „nur“ um sauberes Wasser und logisch das es diesbezüglich keine Demonstrationen gibt, die Kirche schaltet sich nicht ein und schützt die Armen. Als ob es sich hierbei um eine Naturkatastrophe handeln würde und nicht um menschliches Fehlverhalten welches rigoros bestraft werden müsste! Die Bürgerinnen und Bürger, die für jede ideologische Auseinandersetzung bereit sind zu diskutieren und zu protestieren verhalten sich hier ruhig, wartend auf ihre Flasche Wasser. Und sie bringen sogar ihre eigene Plastikflasche zur Zapfstelle mit – wie schön von ihnen. Die gebaute Autobahn von Zagreb nach Split ist noch in keinen Papieren offiziell eingetragen, das ist Fakt – das sind immer noch Felder und Felder, keine Autobahn. Landet das Geld dann wirklich vollständig in der Staatskasse? Natürlich nicht, wir befinden uns in Kroatien – da geht immer was in die private Tasche.

Warum sollen die Politiker etwas verändern? Die Bürger protestieren sowieso nicht.

Nach so einem Verhalten der Politiker – warum sollten sie sich überhaupt vor etwas fürchten? Ganz im Gegenteil, sie sollten uns die Rechnungen für das Wasser verdoppeln und die Wasserleitungen für immer dicht machen! Wahrscheinlich würden die Bürger dann brav zum nächsten Fluss oder See laufen und sich ihr Wasser holen.

Die kroatischen Bürgerinnen und Bürger in Split und Slavonski Brod protestieren nicht und bestimmen somit ihr eigenes Schicksal. Gerade mit ihrer Untertänigkeit und hängenden Schultern zeigen sie das sie bereit sind noch mehr „Prügel“ einzustecken, man kann ihnen noch mehr wegnehmen, sie sind bereit doppelte Rechnungen zu zahlen, sie sind offensichtlich bereit auch eine 30%-ige Mehrwertsteuer zu zahlen, wen interessieren schon kranke Kinder für die der Staat kein Geld hat, doch für alte und ausgediente Kampfbomber gibt es jede Menge Geld.  All dieses Schweigen nur um sich einem lokalen Machthaber (der größten kroatischen Partei) anzunähern, damit alle existenziellen Fragen geklärt werden und die ganze Familie in irgendwelchen staatlichen Institutionen untergebracht wird. Denn nur das ist in Kroatien der wahre Jackpot! Wie schon geschrieben, der Parteiausweis öffnet alle Türen.

Na dann, Prost Kroatien, die Lichter gehen so langsam aber sicher aus.

Jurica Zelić
Bild: miketraffic
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Ein Kommentar

  1. Daniel Grass

    06.04.2018 beim 18:29

    Das ist ja wie in Deutschland. Dort werden die Böden durch die Landwirtschaft sehr stark belastet. Ordnungsgemäße Landwirtschaft nennt man das – ist staatlich abgesegnet. Da kann demonstrieren wer will, es hört halt keiner zu. Jetzt haben schon Satiremagazine Schwierigkeiten sich über deutsche Politik lustig zu machen. Es wird immer von der Realität übertroffen. In diesem Sinne, Shit happens!

    Antworten

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