Home Ausland Hetzjagd auf 16-jährigen Serben, der für Kosovo spielen möchte

Hetzjagd auf 16-jährigen Serben, der für Kosovo spielen möchte

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Der junge Fußballer Ilija Ivić (16) aus Kišnica bei Gračanica (Kosovo) bekam kürzlich das Angebot, für die kosovarische Nationalmannschaft zu spielen. Seither muss er sich mit hässlichen Betitelungen wie „Volksverräter“ herumschlagen.

Auslöser für die große Hetzjagd auf Ivić war ein Interview für ein kosovarisches Medium, in welchem er bestätigte, dass er ein Angebot für das kosovarische Team erhalten hat. Der 16-Jährige spielt bereits seit drei Jahren für den Fußballklub Flamurtari Vlora in Pristina. Die Veröffentlichung des Artikels auf seinem Facebook-Profil löste eine Kettenreaktion an negativen Ereignissen aus, die er bis heute nicht verstehen kann.

„Mich interessiert derzeit nur Fußball. Wie Sie sehen können, spiele ich bereits seit drei Jahren hier und es gab noch nie ein einziges Problem. Ich weiß wirklich nicht, was diese ganze Sache bringen soll und warum alle darüber sprechen“, so der junge Kicker.

„Schande und Schmach“
Es dauerte nicht lange bis Belgrader Medien begannen, über Ilija und seine Familie zu berichten. „Bombe geplatzt – der erste Serbe in der kosovarischen Nationalmannschaft“, „Schande und Schmach: das ist der Erste Serbe, der für den Quasi-Staat Kosovo spielt“, „Was für ein Schock: Serbe nimmt Angebot der kosovarischen Nationalmannschaft an“, lauteten einige der Schlagzeilen.

Dem nicht genug, hagelte es auch Hassposts und Drohungen gegen die Familie Ivić im Netz. Aufgrund dieses „Skandal“ erhielt die Mutter des jungen Fußballers schlussendlich die Kündigung.

Mutter verlor Job, Vater bangt
Nur einen Tag nach der Veröffentlichung des Interviews wurde Tanja Ivić, die bis dato in einem serbischen Kultur- und Bildungszentrum in Pristina angestellt war, gekündigt. Als offizielle Begründung wurde Überbesetzung angegeben, im inoffiziellen Kündigungsgespräch offenbarten ihr die Arbeitgeber jedoch den wahren Grund:

„In einem inoffiziellen Gespräch wurde mir gesagt, dass der Grund für meine Kündigung das Angebot vonseiten des kosovarischen Fußballverbandes ist. Meine Existenz ist in jeglicher Hinsicht bedroht. Nachgeben werde ich jedoch nicht. Ich möchte, dass mein Kind dem nachgeht, was es sich wünscht und was es, aufgrund seiner bisherigen Arbeit, verdient. […] Wir möchten ihn bestmöglich unterstützen. Es geht hier um Sport und nicht um Politik“, erklärte Tanja Ivić im Interview für „Glas Amerike“.

Auch wenn einige Medien darüber berichteten, dass Ilijas Vater auch seinen Job verloren hat, so dementierte dies Duško Ivić in einem Interview. Er schließt jedoch nicht aus, dass auch er bald ohne Arbeit dastehen wird. „Politik interessiert mich nicht. Uns interessiert nur unser Kind, der die Möglichkeit bekommen hat, im Sport weiterzukommen. Ich weiß nicht, wer sich an so etwas stören könnte“, fügte Duško Ivić hinzu.

Ich weiß wirklich nicht, was diese ganze Sache bringen soll und warum alle darüber sprechen

„Einer der talentiertesten Fußballer am Kosovo“
Der sportliche Leiter von Ilijas Fußballklub, Arbnor Morina bezeichnete den 16-Jährigen als eines der größten Talente am Kosovo. „Ich verstehe die Angriffe und die Politisierung dieses Falls überhaupt nicht. Wenn Serben im Parlament sitzen und andere Regierungsposten bekleiden, wieso darf der junge Mann dann nicht Fußball spielen? Wir sprechen immer davon, dass sich die Politik nicht in den Sport einmischen darf. Wie man sieht, passiert hier aber genau das Gegenteil“, so Morina.

Kosmo.at
Bild: Der Bund/Screenshot/zVg.


						
						
					
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