Ein Bericht von Christoph Kersting und Henryk Jarczyk.

Seit mittlerweile zehn Jahren ist der Kosovo unabhängig. Wenn auch noch lange nicht von allen Staaten als selbständige Republik anerkannt. Normalität und entspanntes Zusammenleben zwischen Albanern, Serben und Roma sind in der Region eher selten. Der Kosovo zählt weiterhin zu einer der fraglisten Regionen Europas. Und dennoch es gibt auch Fortschritte. Christoph Kersting über kleine Lichtblicke in dem Vielvölkerstaat und seine EU-Ambitionen.

Mit einer neuen Strategie versucht die EU-Kommission die ins Stocken geratenen Erweiterungsgespräche in der Region des ehemaligen Jugoslawiens wieder in Gang zu bringen. Das Ziel: Am Endes des Prozesses – wie es heißt – könnten nach Slowenien und Kroatien bis 2025 weitere Länder des Westbalkans der Europäischen Union beitreten.

Ambitionen und ein Auftragsmord

Ein Staat dürfte es da allerdings besonders schwer haben: der Kosovo. Immerhin zählt die junge Republik bis heute zu einer der fragilsten Regionen Europas. Bestes Beispiel dafür ist das jüngste Attentat im Januar dieses Jahres im Norden des Landes auf einen der prominentesten Serbenführer, Oliver Ivanović. Eine Tat ohne politischen Hintergrund, wie es scheint. Vieles deutet eher auf einen Auftragsmord aus dem Bereich der organisierten Kriminalität hin. Was die Sache allerdings nicht besser macht und eine EU-Mitgliedschaft erneut in weite Ferne rücken lässt.

KFOR schützt die neuralgischen Punkte

Dabei ist die Lage in der seit 2008 für unabhängig erklärten Republik Kosovo weitestgehend ruhig. Nicht zuletzt auch deshalb, weil KFOR-Truppen unter Leitung der NATO omnipräsent sind und weiterhin neuralgische Punkte wie die wenigen verbliebenen serbischen Enklaven oder serbisch-orthodoxe Klöster rund um die Uhr schützen. Auch wenn die letzten großen Ausschreitungen 14 Jahre zurückliegen.

Im März 2004, fünf Jahre nach dem Ende des Kosovo-Krieges, brannten etliche Häuser von Serben und Roma im Kosovo. Von marodierenden Kosovo-Albanern zerstört wurden zudem einige Serbisch-orthodoxe Kirchen. 20 Menschen sollen Schätzungen zufolge bei den Ausschreitungen damals ums Leben gekommen sein. Exzesse, die mittlerweile der Vergangenheit angehören.

Gleichwohl: Normalität und ein entspanntes Zusammenleben zwischen mehrheitlich muslimischen Kosovo-Albanern und der serbischen Minderheit sind immer noch äußerst selten. Gleiches gilt für Angehörige der Roma Minderheit, die im Kosovo sozial am schlechtesten gestellte Gruppe.

Zusammenarbeiten und zusammen musizieren – es gibt Hoffungsschimmer

Doch es gibt auch Lichtblicke in dem Vielvölkerstaat. Da sind zum Beispiel junge Menschen, die ungeachtet ihrer Nationalität gemeinsam Musik machen. Da gibt es auch ein Hotel, in dem die Herkunft der Mitarbeiter ebenfalls keine Rolle spielt. Für den jungen Staat Kosovo keine Selbstverständlichkeit gleichzeitig aber ein kleiner Hoffnungsschimmer auch im Hinblick auf die von vielen Kosovaren angestrebte EU-Mitgliedschaft ihres Landes.

BR Presse
Bild: BR
Video: Zoran Dobric

 

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