Home Wirtschaft WESTBALKAN: VERHEERENDE WIRTSCHAFTSLAGE UND ARMUT

WESTBALKAN: VERHEERENDE WIRTSCHAFTSLAGE UND ARMUT

5 min gelesen
0

Die Wirtschaftslage auf dem westlichen Balkan ist ein Vierteljahrhundert nach dem Zerfall Jugoslawiens verheerend. Ein Großteil der Nachfolgestaaten leidet an allgegenwärtiger Armut und riesigen Schulden. 

1991 begann der Zerfall Jugoslawiens mit der Überzeugung, die Teilrepubliken könnten ihre Zukunft besser allein managen. Nach 25 Jahren hat sich die Hoffnung allerdings nicht erfüllt. Die meisten Nachfolgestaaten leiden heute noch immer unter sozialen und wirtschaftlichen Miseren. Ein letzer Funke Hoffnung für die krisengeschüttelten Teilrepubliken lodert noch in einer EU-Beitrittsperspektive.

Wirtschaftsprofessor Miodrag Zec sieht die Ursache in der falschen Politik. Diese hätte „zu riesigen Schulden, allgegenwärtiger Armut“ geführt, Gewinnen seien privatisiert, Verlust sozialisiert worden. (Belgrader Zeitschrift “NIN”)

Ausgebliebene Strukturreformen zum Übergang von der kommunistischen zur kapitalistischen Wirtschaft werden von allen Wirtschaftswissenschaftlern für die lahmende Entwicklung und die Verarmung großer Teile der Bevölkerung verantwortlich gemacht.

Fehlgeschlagene Wirtschaftspolitik
Die ausgebliebenen Strukturreformen zum Übergang von der kommunistischen zur kapitalistischen Wirtschaft sowie die ununterbrochene Einnahme von Schlüsselpositionen werden für die Verarmung und lahmende Entwicklung verantwortlicht gemacht.  So mischen der bosnische Serbenführer Milorad Dodik, der dortige Staatspräsident Bakir Izetbegović, die Regierungschefs Serbiens und Montenegros, Aleksandar Vučić und Milo Ðukanović schon seit Anfang der 1990er Jahre mit. Der mazedonische Regierungschef Nikola Gruevski ist seit Ende der 1990er Jahre politisch engagiert. Einer wirtschaftlichen Genesung steht ebenso die aufgeblähte öffentliche Verwaltung, in der Parteien ihre Funktionäre unterbringen, entgegen.

Doppelt so hoche Arbeitslosigkeit wie im EU-Schnitt
Offiziellen Statistiken nach liegt die Arbeitslosigkeit in Serbien, Montenegro und Kroatien etwa doppelt so hoch wie im EU-Schnitt. In Mazedonien macht dieser Wert sogar über 25 und in Bosnien-Herzegowina mehr als 27 Prozent aus. Fast jeder Zweite arbeitet nicht, ein knappes Drittel sucht offiziell nicht einmal Arbeit.

Geringes Einkommen
Zu Beginn des Jahres lag das Einkommen netto zwischen gut 360 Euro in Serbien und Mazedonien, deutlich über 400 Euro in Bosnien-Herzegowina und Montenegro bis zu 747 und 1.004 Euro bei den EU-Mitgliedern Kroatien und Slowenien. Damit können die Menschen bei weitem nicht auskommen. Viele sind von den Milliarden-Überweisungen ihrer Familienangehörigen und Bekannten vor allem in Westeuropa und Skandinavien angewiesen.

Abwanderung von Fachkräften im Gesundheitssystem
Die Folge ist eine gigantische Auswanderungswelle in Richtung Großbritannien, Skandinavien und vor allem nach Österreich und Deutschland. Das ohnehin marode Gesundheitswesen steckt in einer Krise. Zu der größten Herausforderung zählt der Mangel an Ärzten und medizinischem Pflegepersonal. Bei Befragungen geben die Studierenden zu 80 und mehr Prozent an, sie wollten nach dem Diplom ihrer Heimat den Rücken kehren.

Diese ökonomische Stagnation führt zum Auszug der besser gebildeten jungen Menschen und zum Schwund der sozialen Basis für liberale und fortschrittliche politische Optionen. Auch die Ärmsten unter den Armen im Westbalkan haben die Hoffnung auf bessere Zeiten und ein menschenwürdiges Leben in der Heimat bereits aufgegeben. Mehrere Zehntausend Roma und Albaner haben im Jahr 2015 ihre Herkunftsländer verlassen und versuchen, in Westeuropa Fuß zu fassen. (NR)

Quelle: "NIN"
Bild: Dalmatinka Media
Mehr in Verbindung stehende Beiträge laden
Mehr laden von Norbert Rieger
Mehr laden in Wirtschaft

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Überprüfen Sie auch

Ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung Kroatiens ist vollständig geimpft

Das Kroatische Institut für Öffentliche Gesundheit (HZJZ) teilte am Samstag mit, dass ein …