Home Nautik Verzollung/Mehrwertsteuer Kroatien: Wieder 13 Schiffe unter Zollverschluss

Verzollung/Mehrwertsteuer Kroatien: Wieder 13 Schiffe unter Zollverschluss

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Mehrwertsteuer

Auf der Insel Krk hat der kroatische Zoll 13 Boote unter Verschluss gestellt, da diese keine Verzollungsprozedur durchlaufen haben. All diese Bootseigentümer müssen nun beweisen, dass sie Zoll und Steuer auf das Boot bereits bezahlt haben. Trotzdem werden sie höchstwahrscheinlich eine Strafe und Verzugszinsen zahlen müssen. Auch zweieinhalb Jahre nach dem EU-Beitritt kontrolliert der Zoll in den Marinas, um die letzten Eigner aufzuspüren, die sich einer Verzollung, bzw. der Zahlung der Mehrwertsteuer bisher entzogen haben. Sea-Help hatte im Vorfeld seine Mitglieder entsprechend beraten und informiert, letztendlich hatte sich die Sea-Help Rechtsauffassung zu dem Gesamtkomplex der Zahlung von Mehrwertsteuer und Zoll im Rahmen der rechtlichen Veränderungen, bedingt durch den EU-Beitritt, als einzig richtige Interpretation der neuen Gesetze bestätigt. Im Sea-Help Büro auf der Insel Krk sind äußerst kompetente Mitarbeiter mit der offensichtlich immer noch bestehenden Problematik befasst, von Nina Mrakovic erhielten wir den folgenden Bericht, der die aktuelle Situation eigentlich auf den Punkt trifft und dem nichts hinzuzufügen ist.

Die kroatischen Zollbehörden führen nicht nur auf der Insel Krk Kontrollen in den Marinas, Trockenlagern oder allgemein in “Zolllagern” durch. In ganz Kroatien werden diese Zollkontrollen durchgeführt.
Zunächst richten sich die Kontrollen auf das Lager an sich, bzw. es werden Arbeitserlaubnis, Verträge und andere Unterlagen geprüft.
Dann werden die Boote kontrolliert, die sich zum Zeitpunkt der Kontrolle im Lager befinden. Dabei vergleicht die Behörde den angetroffenen Stand mit der ihr vorliegenden Bootsliste.
Da das Lager verpflichtet war, vor EU-Beitritt Kroatiens alle Boote mit ausländischer Flagge beim Zoll zu melden, hat die Zollbehörde natürlich eine Liste all dieser Boote. Von der Liste wurden nur Boote gestrichen, die die Verzollung /Versteuerung in Kroatien zeitlich durchgeführt haben und eine Zolldeklaration vorweisen können.
Sollte sich ein Boot im Lager befinden und sich bereits vor EU-Beitritt (vor dem 01.07.2013) dort befunden haben, ohne die Verzollung durchgeführt gehabt zu haben, wird es nun “in Ketten gelegt”, bzw. mit Stempel und Absperrband vom kroatischen Zoll blockiert.
Solange die Blockade am Boot angebracht ist, darf dieses nicht genutzt und betreten werden. Die Zollbehörde stellt einen Bescheid dazu aus.
Doch der Bootseigentümer kann trotz Blockade noch eine Verzollung durchführen! Wenn er schnell handelt und eine gute Spedition findet, kann er bevor er den Bescheid vom Zoll bekommt, eine Zolldeklaration für sein Boot beantragen und bekommen.
Dabei werden die gleichen Unterlagen wie bisher verlangt. Akzeptiert werden auch Unterlagen, die den Bootseigentümer von Zoll- und Steuer-Zahlungen befreien, sprich T2L-Formular, Nachweis des Bootalters und/oder der entricteten Steuer innerhalb der EU.
Sobald eine Zolldeklaration ausgestellt wird, wird auch die Blockade des Bootes aufgehoben. Wie lange dies noch möglich ist, ist Sea-Help nicht bekannt!
Wartet der Bootseigentümer jedoch zu lange, wird er einen Bescheid über die Blockade bekommen und kann nichts mehr tun, um sich von der Steuerzahlung zu befreien. Der Betrag, der auf dem Bescheid genannt wird, ist endgültig und muss bezahlt werden. Wie bei jedem anderen behördlichen Bescheid kann Einspruch erhoben werden, dadurch wird aber die Zahlungsfrist nicht verschoben. Er muss zahlen, kann dann Einspruch erheben. Bekommt er Recht, wird ihm der Betrag zurückgezahlt.
Das bedeutet, er muss sowohl die kroatische Mehrwertsteuer zahlen als auch eine Strafe wegen Zollverstoßes, die von 5.000 Kuna (ca. 650 €) aufwärts geht. Ein Nachweis über das Bootsalter oder die bereits bezahlte MwSt. wird bei diesem Vorgang nicht akzeptiert. Eventuell akzeptiert werden kann ein T2L, aber auch nur, wenn es vor Ausstellung des genannten Bescheids abgegeben wird.
Wie lange es von der Blockade des Bootes bis zur Ausstellung des Bescheids dauert, ist nicht bekannt, dürfte aber etwas länger dauern, da der Bescheid in der Sprache des Booteigentümers ausgestellt und an seine Wohnadresse gesendet werden muss.
Dies betrifft jedoch nicht diejenigen Boote, die erst nach dem 01.07.2013 nach Kroatien gekommen sind!
Diese Boote müssen keine Verzollung in Kroatien durchlaufen, da sie sich nicht in einer Zollzone /Zolllager befunden haben.
Dennoch ist es für diese Bootseigentümer ratsam, ein T2L zu beantragen und dies dem Lager in Kopie zu geben, damit es bei einer Kontrolle vorgezeigt werden kann.
Achten sollte der Bootseigentümer auch darauf, dass das Lager ihn nicht irrtümlich beim Zoll gemeldet hat (bspw. wenn das Boot knapp nach EU-Beitritt ins Lager gekommen ist).
Sea-Help kann noch immer die Verzollungen übernehmen!

Voraussetzung sind natürlich komplette Unterlagen. Der Preis wird je nach Situation berechnet. Nach Aussage unserer Spedition in Rijeka, handelt es sich bei der Mehrheit der “übriggebliebenen” Bootseigner um diejenigen, die über einen Außenbordmotor verfügen und bisher nicht bereit waren, auf diesen die MwSt. in Kroatien zu zahlen.
Dieses Thema wurde von Sea-Help bereits ausreichend kommuniziert: Auf den Motor wird weder die 8-Jahres-Regel angewandt noch wird ein Nachweis über die bereits in der EU bezahlten MwSt. akzeptiert, auch wenn das Boot von der MwSt. befreit wurde.
VORSICHT – häufige Irrtümer !
Booteigentümer die bis jetzt nichts bezüglich der Verzollung und/oder Versteuerung gemacht haben sollten auf keinen Fall versuchen, Ihren Status mit einem Verlassen der kroatischen Gewässer und erneuter Einfahrt zu regeln. Besonders nicht, wenn sie beabsichtigen, in die gleiche Marina zurück zu kommen. Es gab mehrerer solcher Versuche, die teure folgen für den Bootseigner hatten (Dubrovnik Region).
Des weiteren sollte man sich im Klaren sein, dass trotz EU-Beitritt Kroatiens alle Bootsfahrer verpflichtet sind, sich beim Grenzübergang auf See zu melden (egal ob Ein- oder Ausfahrt). Dabei kann durchaus der Zollstatus des Bootes geprüft werden.
“Mein Boot ist aber schon so alt!” – Das Baujahr an sich befreit nicht automatisch von der MwSt.-Zahlung. Als Nachweis, um von der Zahlung befreit zu werden, wird ausschließlich eine alte Registrierung akzeptiert, aus der hervorgeht, dass das Boot vor dem 01.07.2005 registriert und/oder genutzt wurde. Das war von Anfang an so, ist aber noch immer ein häufiges Thema.

“Ich hab ein T2L gemacht!” – Super! Dann entfällt die Zollzahlung, aber nicht die Prozedur, die durchlaufen werden muss. Der kroatische Zoll muss eine Zolldeklaration ausstellen, auch wenn alle Zahlungen entfallen. Nur eine Zolldeklaration klärt den Zollstatus des Bootes!

“Mein Boot hat keine EU-Flagge!” Ist jedoch der Bootseigner EU-Bürger, muss er trotzdem die Verzollung vornehmen. Nur wenn sowohl Boot als auch Bootseigner außerhalb der EU beheimatet sind, bleibt das Boot im Zolllager und muss sich an die 18-Monate-Regel halten (alle 18 Monate den EU-Raum verlassen).

“Ich nutze mein Boot nicht und bin dabei es zu verkaufen!” – Das ist dem Zoll egal. Solange für das Boot der Zollstatus zu klären ist, ist es dem Zoll egal, wer als Eigentümer genannt wird. Allgemein gilt, dass Zollunterlagen immer auf das Gut ausgestellt werden, nicht auf die Person. Mit anderen Worten, auch wenn der momentane Eigentümer das Boot verkaufen will, ist es ratsam, schnellst möglich den Zollstatus zu klären. Dies kann für den Verkauf nur von Vorteil sein. Der spätere Eigentümer kann sich dann sicher sein, ein “sauberes” Boot zu kaufen.

“Ich habe eine Zolldeklaration, brauche ich auch ein T2L?” – Im Prinzip nicht, dass kommt aber durchaus darauf an, wann die Zolldeklaration ausgestellt wurde (vor oder nach dem 01.07.13) und wo der Bootseigentümer mit dem Boot unterwegs ist. Immer sinnvoll ist ein zusätzliches T2L in Kroatien zu beantragen, wenn der Bootseigentümer auch SLO, ITA etc. mit dem Boot bereisen möchte.

“Ich weiß nicht, ob mein Boot in einem Zolllager war.” – Diese Frage kann nur das Lager selber beantworten! Es ist zwar möglich, im Internet diese Informationen zu bekommen, jedoch ist damit nicht geklärt, ob der Lageranbieter auch wirklich seine Pflicht getan hat und das Boot beim Zoll gemeldet ist.
Quelle: Sea Help

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