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Schneekönig(in) von Zagreb

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Ein Beitrag aus der Reihe "Rückkehr nach Kroatien" von /HRT

Zum ersten Mal habe ich an dem Skirennen als Zuschauer auf dem Sljeme-Gipfel teilgenommen und den zum alpinen Skiweltcup zählenden Slalom live angeschaut.

Aus Deutschland betrachtend war für mich der Skiweltcup auf dem Sljeme- Gipfel immer etwas Schönes, vor allem da man kalendarisch wusste, dass nach Weihnachten und Neujahr in Zagreb diese Sportveranstaltung am Sljeme,  mit dem Fernsehturm im Hintergrund, zu sehen ist.

Eigentlich kein Schneefan

Ich bin Schnee nicht gewohnt und meine Eltern sind keine Schnee-Fans gewesen. Wir sind immer ans Meer nach Kroatien aus Deutschland gefahren, wenn es warm und sonnig war frühestens aber zum Frühling eines Jahres. Wie viele andere Familien aus der Diaspora so fuhren auch wir zur touristischen Hauptsaison nach Kroatien, zu uns auf der Insel Hvar mit einem Zwischenstopp in Split. Meine Eltern waren keine Winter-Fans, sodass ich Schnee nicht gewohnt gewesen bin und zum Wintersport keine Anknüpfungspunkte oder Erfahrungen besaß, bis zu dem Zeitpunkt, als ich zu Studienzwecken nach Zagreb gekommen bin. Dort ging ich mit einer Gruppe von Studenten zum Sljeme-Gipfel, dem höchsten Gipfel des Medvednica-Gebirgszuges, als noch Schnee lag. Dort war ich zum ersten Mal in meinen Leben auf Skiern und bin zum ersten Mal Ski gefahren.

Ski-Erfahrungen

Natürlich bin ich mehrmals zu Boden gefallen und habe nicht gleich Skifahren gelernt, aber es war für mich eine sehr coole Erfahrung zum ersten Mal auf Skiern zu stehen und das auf dem Sljeme. Meine Skikarriere entwickelte sich auch nicht langfristig, da ich mir ungefähr neun Monate später bei einem Fahrradunfall ein Kreuzbandriss zugezogen habe. Halb so tragisch. Ich habe aber die Entscheidung getroffen mich nicht mehr auf Skier zu bewegen und irgendeinen ähnlichen Wintersport zu betreiben. Doch dieser Ski-Ausflug zum Sljeme – Gipfel hat bei mir einen verbleibenden Eindruck hinterlassen und mein Interesse für den Wintersport gestärkt.

Geringer Preis

In weniger als einer Stunde kann man bereits aus dem Zentrum von Zagreb zum Gipfel des Gebirgszuges gelangen, wo auf einem Wintersportgebiet das Skirennen ausgetragen wird. Der Eintritt für so eine internationale Sportveranstaltung betrug für zwei Tage mit Essen und Trinken und einem Transport des öffentlichen Nahverkehrs gerade einmal nur 60 Kuna, umgerechnet 8,50 €! Als Zuschauer an einem Skirennen in Deutschland teilzunehmen, denke ich mal, würde wesentlich viel mehr kosten.

Die ganze Veranstaltung war relativ gut organisiert. Der Weg bis zum Gipfel war ausgeschildert und Sicherheitspersonal wies uns zu unserer Fan-Zone hin. Das einzige was mich störte war, dass die Infrastruktur am Sljeme für Fans und Menschen besser ausgebaut werden könnte. Die Wege und Pfade um die Abfahrtspiste waren schlecht beleuchtet oder umgänglich zu belaufen. Man konnte leicht abrutschen und sich vielleicht sogar etwas brechen. Aber für 60 Kuna kann man sich wirklich nicht viel beschweren. Ich wäre aber auch bereit mehr zu bezahlen für eine bessere Instandhaltung des Wintersportgebietes. Aber irgendwie trotzdem cool, dass Kroatien neben Sonne, Sommer Strand auch Schnee und Wintersport anzubieten hat. Zumal das die Möglichkeit besteht vor den Toren einer europäischen Millionenstadt und Hauptstadt eines Landes für wenig Geld und kurzer Fahrt ein richtiges Skirennen zu sehen.

Vom Sljeme hat man auch eine sehr schöne Aussicht auf Zagreb und Umgebung, vor allem wenn die Sonne untergeht und man die vielen Lichter der Stadt Zagreb sehen kann.

Snow Queen Trophy

Am Schluss wurde der Sieger des Skirennens im Slalom der Männer und Frauen jeweils mit der Snow-Queen Trophy gekrönt – eine Krone aus Kristall. Die Schneekönigin bzw. der Schneekönig von Zagreb wird hiermit offiziell gekürt. Auch ich habe mich in diesem Moment irgendwie als ein Schneekönig gefühlt, zwar ohne Krone aber mit viel Begeisterung. Welche europäische Millionenstadt und Hauptstadt eines Landes kann so etwas seinen Einwohnern und Bürgern bieten!?

Die dargelegten Ansichten oder Meinungen des Autors spiegeln nicht unbedingt die Position von Kroatien-Nachrichten.de wider.

Tonči Petrić arbeitet als Journalist und Nachrichtensprecher für das deutschsprachige Programm der Stimme Kroatiens bei dem kroatischen Rundfunk HRT. Er lebt seit einem Jahr in Zagreb und berichtet in seinem Blog über seine Erfahrungen in Kroatien.

Bild: BaZ/www.Skiweltcup.TV
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