Starker Südwind und hoher Wellengang im Seebad Bačvice in Split. Aber auch so schlechtes Wetter kann Igor Goleš nicht davon abhalten, sich in einer der ältesten, nur einen Meter über dem Strand liegenden Konoba in Gesellschaft seiner großen Liebe aufzuwärmen.

Die Monographie “Vergessenes Dalmatien” ist Igors Meisterwerk, an dem er jahrelang gearbeitet hat.

“Der Weg war schwer. Es ist mir gelungen, die 35 besten Sammler dalmatinischer Ansichtskarten zu vereinen. Alle hatten den Wunsch mitzumachen und stellten ihre besten Postkarten zu Verfügung. Sie wurden aus den Safes geholt, um eingescannt und in einer solchen Monographie veröffentlicht zu werden.”

Igor Goleš, Autor der Monographie Vergessenes Dalmatien

Im Buch finden sich an die 800 Postkarten mit Abbildungen dalmatinischer Dörfer und Städte aus der Zeit der Jahrhundertwende bis 1918. Der Autor wählte diese 20-jährige Epoche aus der Zeit Dalmatiens in der Österreichisch–Ungarischen Monarchie wegen des einzigartigen Ausarbeitungsstils.

“Also, da ist eine Ansichtskarte, die ein Unikat ist, denn es ist nur dieses eine Exemplar bekannt. Sie ist äußerst interessant, weil sie eine Fischerfamilie in Zlarin zeigt. Das ist der Eigentümer des Bootes mit seinen Fischern und einigen Kindern aus dem Hafen. Das ist für mich die wertvollste Ansichtskarte meiner Sammlung. Für mich hat sie einen unschätzbaren Wert. Selbst wenn man mir die Mona Lisa zum Tausch anböte, keine Chance, ich gebe diese Ansichtskarte nicht aus der Hand.”

Igor Goleš

Igor, von Beruf Gastwirt, behauptet, dass diese Geschichte in Ansichtskarten ein Denkmal der dalmatinischen Tradition und Kultur darstellt. Von Zadar bis Dubrovnik, von Lastovo bis Omiš, in hunderten Motiven und Details wiederholt sich der ständige Wunsch der damaligen Fotografen: die Zeit anhalten und die Erinnerung daran lebendig halten.

 “Also zum Beispiel diese Ansichtskarte aus dem Ort Katuna im dalmatinischen Hinterland. In Katuna war zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie das Hauptpostamt für die ganze Region. Das ist eine Szene wie aus dem wilden Westen. Man sieht Kutschen, die kurz vor der Abfahrt stehen, zur Postverteilung im dalmatinischen Hinterland. Eine sehr seltene Ansichtskarte. Mir ist bekannt, dass es davon nur drei Exemplare gibt.”

Igor Goleš

Für einige Ansichtskarten fuhr er hunderte Kilometer, stand mitten in der Nacht auf, reiste tagelang in der Hoffnung, doch noch rechtzeitig anzukommen, bevor die neuen Eigentümer die alten Alben und Erinnerungen entsorgen.

“Die Ansichtskarten mussten hundert Jahre überdauern: Dachbodenräumungen, den Ersten und den Zweiten Weltkrieg und den Kroatienkrieg. Häuser wurden verbrannt oder zerstört, Menschen wanderten ab und so wanderten auch die Ansichtskarten ab.”

Igor Goleš

Eine aus dem Abfallkübel gerettete Ansichtskarte aus Vodice zeigt Morra, ein altes dalmatinisches Spiel. Igors zweite Lieblingsansichtskarte kommt von der Kornaten-Insel Smokvica. Sie weckt sentimentale Erinnerungen und entführt uns in eine bessere Vergangenheit. (NR)

BR Presse/TV Kroatien-Mario Beganović
Bild: BR
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