Ein Beitrag unserer Gastautorin Moni Losem 

Schockierend sind die Nachrichten, die uns in den letzten Tagen erreichten. Nach der katastrophalen Auswaschung der Mülldeponie in Pazin, durch die jede Menge Haushaltsmüll durch einen Bach Richtung Meer transportiert wurde, erreichen uns nun Bilder vom Hafen in Dubrovnik, die den aktuellen traurigen Stand des Mittelmeeres widerspiegeln. Es ist nicht nur der Atlantik, auf dem riesige Flöße aus Plastik treiben. Auch das Mittelmeer erstickt mittlerweile im Müll.

Es ist gut und richtig, alle, die Kroatien bereisen oder hier leben, über das Ausmaß der Katastrophe zu informieren. Es ist aber nicht richtig, Vermutungen anzustellen und ein Land als alleinigen Buhmann hinzustellen. Wir halten uns da lieber an den Bericht aus Dubrovnik vom 2.2.2019, nachzulesen auf der Facebook-Seite der Stadt.

Neben den Bildern von treibenden Plastikverpackungen, die von den Mitarbeitern der Stadtreinigung mühsam aus dem Hafenbecken geholt werden, schreiben die zuständigen Mitarbeiter, dass durch den heftigen Jugo (Südwind) der letzten Tage, etwa 25 m3 (und keine 50, wie in anderen Quellen zu lesen) angetrieben worden sind. Auch diese Menge ist unvorstellbar und es bleibt zu hoffen, dass alles aus dem Wasser geholt werden kann. Denn die Gefahren für die Fauna der Adria sind beträchtlich, da viele Tiere Teile als „Nahrung“ verschlucken oder sich darin verheddern.

Es gibt allerdings auf der Seite der Stadt keine Stellungnahme, woher der Müll kommt. Und das ist die richtige Reaktion, denn tatsächlich kann niemand sagen, wer Verursacher ist. Da fällt es leicht, Albanien als alleinigen Übeltäter hinzustellen, denn das Land liegt südlich und der Wind kam ja aus dem Süden. Aber so einfach ist das nicht. Denn auch wenn das Mittelmeer im Gegensatz zu anderen Meeren relativ klein und fast vollständig abgeschlossen ist, so gibt es doch Strömungen, die durch Winde verstärkt werden können. Und jeder, der sich schon einmal eine Karte mit diesen Strömungen gesehen hat weiß, dass sowohl vom westlichen Mittelmeer und eventuell vom Atlantik als auch vom südöstlichen Mittelmeer Wasser in die Adria geführt wird. Und damit vergrößert sich die Liste der „Mittäter“ enorm. Nicht zu vergessen sind auch die vielen Schiffe, deren Passagiere sicher auch das eine oder andere Stück einfach im Wasser entsorgen. Denn dann sieht man es ja nicht mehr.

Es bringt überhaupt nichts, alleine ein Land, in diesem Fall Albanien, für den gesamten Müll verantwortlich zu machen. Wir alle sollten diese Katastrophe lieber dazu nutzen, uns an der eigenen Nase zu fassen und zu überlegen, wie wir so ein Desaster in Zukunft vermeiden können. Jeder kleine Schritt zählt da, egal ob man seinen Plastikbecher vom Strand mitnimmt oder seine Zigarettenstummel sammelt und in einen Mülleimer wirft anstatt alles am Strand liegen zu lassen. Die Natur freut sich und wir uns auch, wenn wir saubere Strände ohne „Plastikdekoration“ vorfinden.

Bild: Facebook/Grad Dubrovnik
Video: PR Grad Dubrovnik

 

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