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Medviđa im Herzen der Bukovica

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Im Herzen der Bukovica liegt dieses kleine verlassene Dorf. Gefunden habe ich es eher durch Zufall, da ich auf der Suche nach alten Wegsteinen war, die in dieser Gegend noch stehen sollen. Diese konnte ich nicht entdecken, dafür dieses Dorf, das wohl kurz nach dem letzten Krieg aufgegeben wurde. Obwohl es verlassen ist, erzählen die Häuser, Ställe und natürlich der Friedhof die Geschichte einer Gemeinschaft,deren Mitglieder ihren Lebensunterhalt durch Landwirtschaft bestritten haben.

Die Gegend um Medviđa wurde bereits von den Römern besiedelt, die beiden Orte Hadra und Sidrón werden aus der Zeit namentlich erwähnt. Nach den römischen Besetzern fielen 1527 die Türken ein und übernahmen die Herrschaft, die bis zum Jahr 1647 dauern sollte. Dann erlangte der Ort seine Freiheit. 1993 tobte auch hier der Krieg, und viele Einwohner wurden Opfer eines fürchterlichen Massakers.

Ein Besuch des alten Dorfes, das während des Krieges aufgegeben wurde, zeigt uns ein wunderbares Beispiel der Aufteilung und des Ablaufs des damaligen Lebens. Der Ort Medviđa besteht aus zwei Teilen, die durch eine kleine Straße getrennt sind. Östlich der Straße befindet sich ein schroffer Hügel, an den die Wohnhäuser dicht an dicht gebaut sind. So war das Dorf und seine Bewohner vor Wind und Wetter gut geschützt. Der Großteil dieser Häuser wurde in der alten Steinbauweise errichtet, nur ein Haus dürfte aus den späten 70er Jahren sein.

Der westliche Teil war das Refugium der Haustiere. Wobei die Bewohner den karstigen Untergrund optimal genutzt haben. Der karstige Boden besteht aus großen Steinplatten, die hier sehr dicht liegen. Auf dem leicht abschüssigen Terrain finden sich unten die Ziegen- und Schafställe, die recht niedrig waren. Sie wurden direkt an leicht abfallende Felsplatten gebaut, über die der Kot in ein darunter liegendes Auffangbecken rutschen konnte. Weiter oben findet man die Reste der Schweineställe, die massiver und größer sind. Auch sie stehen an Steinplatten, die in kleinen Güllegruben enden. Die Platten zwischen den Ställen wurden bearbeitet, sodass kleine Wassertröge entstanden, in denen die Tiere trinken können.

Auf einer kleinen Kuppe findet man den Dorfbrunnen, der 1979 renoviert wurde. Auch ein Haus aus dieser Zeit steht hier, sodass ich vermute, dass Ende der 70er Jahre noch ein aktives Dorfleben stattfand, neue Häuser gebaut wurden und alte renoviert wurden. So fand ich in einem dieser Häuser Fliesen aus der Zeit.
Auch der Friedhof liegt im westlichen Teil des Ortes und hier ganz oben auf der Kuppe. Im Zentrum steht die Kirche Crkva Sv. Ivana Krstitelja, die Johannes dem Täufer gewidmet ist. Diese Kirche stammt aus dem Jahr 1694 und war ursprünglich ökomenisch. Ein orthodoxer und ein katholischer Altar standen nebeneinander es wurden Messen für beide Glaubensrichtungen abgehalten. Die Kirche wurde während des Krieges nur leicht beschädigt und wurde wieder vollständig renoviert.

Rund um die Kirche liegt der ökumenische Friedhof, auf dem noch viele alte Grabstätten erhalten sind und heute noch gepflegt werden.

Ein Beitrag von: Moni Losem
Quelle: Kroatiens Fauna und Flora

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