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LESERBRIEF „ICH WAR BEI EINEM DIESER SERBISCHEN ‚SCHÖNHEITSDOCS‘ IN EINEM WIENER HINTERZIMMER“

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Die unglaubliche Geschichte über Belgrader Ärtze, die illegale Schönheitseingriffe in Wien vornehmen und an deren Aufklärung die Wiener Polizei zurzeit intensiv arbeitet, sorgte für große Aufmerksamkeit bei den KOSMO-Lesern. Eine von ihnen meldete sich bei unserer Redaktion und schilderte ich ganz persönlichen Erfahrungen mit diesen Schönheitsdocs.

Ärzte, die medizinische Eingriffe in dafür nicht geeigneten Räumlichkeiten durchführen, verstoßen gegen mehrere Gesetze – unter anderem verfügen sie über keine gültige Arbeitsbewilligung für Österreich. Allerdings ist dies nur die Spitze des Eisbergs. Dahinter stecken viele Gefahren, die solche Eingriffe mit sich bringen, sowie ein Haufen von steuerfreiem Geld. Hier die Geschichte einer unserer Leserinnen:

„So wie jede zweite Frau wollte ich auch mein Gesicht verschönern, an dem die Jahre ihre Spuren hinterlassen haben. Aus diesem Grund befand ich mich eines Abends, und auf Empfehlung einer Freundin, in einer Wohnung im 16. Bezirk. In der Wohnung soll eine Ärztin tätig sein, auf deren Fähigkeiten meine Freundin schwörte. Außerdem präsentierte sie mir die ausgezeichneten Ergebnisse der Arbeit an ihrem eigenen eigenem Gesicht zeigte. In den erwähnten Wohnung traf ich ca. zehn Frauen. D.J. kamm schließlich aus einem Zimmer heraus und empfing mich herzlich in ihrer improvisierten ‚Praxis‘. Dort begann sie, mein Gesicht zu analysieren und mir zu erklären, was bei mir alles gemacht werden muss. Alles erschien sehr professionel, allerdings nur bis zu jenem Moment, als ich sie fragte, wie sie die kleinen Falten rund um meine Lippen entfernen kann.“

„AUF MEINE FRAGE, OB SOLCHE FILLER AUCH IN ÖSTERREICH ANWENDUNG FINDEN, ANTWORTETE SIE MIT EINEM NEIN. SIE WERDEN NUR IN SERBIEN VERWENDET, HIESS ES.

„Sie erklärte mir, ich hätte eine Menge an Möglichkeiten – von Hyaluron-Filler bis hin zu dauerhaften Filler, die sehr effektiv und langfristig wirken würden. Auf meine Frage, ob solche Filler auch in Österreich Anwendung finden, antwortete sie mit einem Nein. Sie werden nur in Serbien verwendet, hieß es. Angst und Misstrauen kamen in mir auf. Sie wollte unbedingt einen professionellen und guten Eindruck bei mir hinterlassen und fügte dementsprechend hinzu, dass sie seit Jahren in ihrer Ordination sowie in Österreich und Deutschland viele ästhetische Behandlungen an Frauen durchführe. Außerdem arbeite sie tagsüber in einem türkischen Friseursalon.“

„Dieses Argument überzeugten mich nicht wirklich. Trotzdem wollte ich ihre Tätigkeiten irgendwie rechtfertigen, und sagte laut: ‚Sie als Ärztin wissen sicher, was sie tun‘.  Darauf sagte sie, dass sie gar keine Ärztin, sondern eine Kosmetikerin sei und über 11 Zertifikaten und einer Lizenz für Fillers und Botox, Meso-Faden, sowie PRP-Behandlungen durchzuführen, die Blutabnahme und Umgang mit Plasma erfordern, usw. verfüge.  Zudem sei ihre Ausbildung auf einem viel höheren Niveau als jene, über welche Mediziner diesbezüglich verfügen. Sie unterstrich, dass praktische Erfahrung und nicht die Ausbildung in diesem Job zähle und, dass sie viele Patientinen habe, an denen sie die Fehler von Äzrten ausbessern müsse.

„IHRE AUSBILDUNG SEI AUF EINEM VIEL HÖHEREN NIVEAU ALS JENE, ÜBER WELCHE MEDIZINER DIESBEZÜGLICH VERFÜGEN.“

„Als Beispiel dafür nannte sie sogar einen österreichischen Arzt, dessen Arbeit sich mit ihrer nicht vergleichen lasse. Da ich schon in diese unangenehme und furchtbare Situation geriet, musste ich sie anstandshalber fragen, wie viel das Ganze kosten würde. Mit den Worten ‚Mach ‚mal einen Kussmund, Kleines´, errechnete sie sich, anhand meiner gespitzen Lippen, die Summe von 72 Euro. Zudem erklärte sie, dass Hyaluronsäurefiller bzw. ein Dauerfiller viel billiger wäre. Da ich mich nach der Preisen solcher Behandlungen in Wien erkundigte, war ich von diesem billigen Angebot erstaunt! Aus diesem Grund fragte ich, ob das Material von hoher Qualität ist, ob es vielleicht abgelaufen ist und, was am wohl am wichtigsten ist, welche Auswirkungen es auf meiner Haut haben könnte.“

„Ich habe die Wohnung verlassen, mit der Abmachung, dass ich mich bei D.J. melden werde, wenn sie in einigen Wochen wieder in Wien ist. Sie sagte mir, ich könne alle Informationen auf Facebook finden und empfahl mir, Fotos von ihren makellosen Behandlungen anzusehen. Natürlich werde ich Sie weder anrufen, noch mich in ihre Hände begeben.“

Die Geschichte unserer Leserin ist erschreckend und alarmierend.  Solche ästhetische Behandlungen dürfen in Österreich nur die dafür ausgebildeten Ärzte in entsprechenden Ordinationen mit sterilen und sicheren Instrumenten durchführen. Kosmetische Mittel, die verwendet werden, können alergische Reaktionen auslösen, egal wie hochwertig diese auch sein mögen. In solchen Fällen wissen nur Ärzte, was zu tun ist. Leider sind manche „Experten“ gierig, Geld auf eine schnelle Art und Weise zu verdienen, weshalb sie die Leichtgläubigkeit und den Wunsch nach mehr Schönheit von zahlreichen Frauen ausnützen.

Diese Frauen brüsten sich mit den gewünschten Ergebnissen und sind sich gar nicht bewusst, welche Folgen das schlechte Material oder die unsachgemäß durchgeführte Behandlung haben können. Dabei sprechen sie öffentlich darüber, in welchen Friseursalons, privater Wohnung oder sogar umgebautem Kellerraum sie ihre perfekte Gesichter ohne Falten bekommen haben. Eine von diesen Frauen hat uns sogar erzählt, dass ein Besitzers eines Lokals im 16. Bezirk eine „Ordination“ dieser Art in einem Raum hinter dem Bar hat. Wien ist offensichtlich zu einem Ort des Betrugs geworden…

kosmo.at
Bild: iStock
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