Home Land und Leute Blog E-/IJE- & IKAVICA: WARUM WIR MLEKO, MLIJEKO ODER MLIKO SAGEN

E-/IJE- & IKAVICA: WARUM WIR MLEKO, MLIJEKO ODER MLIKO SAGEN

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Viele verbinden mit Ekavica Serbisch, Ijekavica mit Bosnisch bzw. Kroatisch und mit der Ikavica Dalmatien. Diese Definition stimmt per se nicht, denn der Grund für die Trennung der Aussprachen geht auf das Altkirchenslawische zurück.

In der Sprachwissenschaft wird die Veränderung, welche zu den drei Ausprachen Ekavica, Ijekavica und Ikavica führte, als Jat-Reflex bezeichnet. Jat ist ein Buchstabe des Altkirchenslawischen, der ältesten slawischen Schrift- und Missionierungssprache von Kyrill und Method. Diese wurde um 860 festgehalten und gegen Ende des 11. Jahrhundert teilte sie sich in die jeweiligen Varietäten des Kirchenslawischen.

Das Jat, auf Kyrillisch Ѣ/ ѣ, ist ein Selbstlaut, welcher aus dem urlawischen  entstanden ist. In der weiteren Sprachentwicklung der slawischen Sprachen hat sich das Jat, je nach Region, zu anderen Lauten entwickelt.

E, ije, je oder i?

Wie die drei Namen der Aussprachevarietät bereits vermuten lassen, so wurde das Jat im Ekavischen mit „e“, im Ijekavischen mit „ije/je“ und im Ikavschen mit „i“ realisiert. Allerdings muss hierbei auch darauf geachtet werden, ob es sich beim urslawischen Ursprungswort um ein langes bzw. kurzes Jat gehandelt hat.

Während die heutige kroatische und bosnische Standardsprache sich auf eine ijekavische Aussprache festgelegt hat, so ist für das Serbische sowohl Ekavisch als auch Ijekavisch im Standard vertreten. Dies ist darin begründet, dass die modernen Standardsprachen des 19. Jahrhunderts allesamt auf der Grundlage eines štokavisch-ijekavischen Dialekts entstanden, während sich lediglich in Serbien die ekavica der Vojvodina durchsetzen konnte. In keiner der heutigen drei Standardsprachen ist das Jat zumeist ikavisch, weshalb dieser Reflex nur in Dialekten, wie z.B. in Dalmatien und der Herzegowina auftritt.

Keine konsequenten Jat-Reflexe im BKS
Die Reflexe des Jats wurden allerdings nicht konsequent durchgeführt und sind nicht in allen Regionen des serbokroatischen Sprachgebiets gleich. In Kroatien zählen die kajkavischen Dialekte zu den ekavischen und in allen Standardsprachen wurde die ikavische Negation des Verbs „biti“ (nisam, nisi, nije, usw.). Würde man z.B. beim Verb „biti“ die weiteren Reflexe des Jats anwenden, so würde die erste Person Singular ijekavisch „nijesam“ bzw. ekavisch „nesam“ (vgl. Mazedonisch/Bulgarisch) lauten.

Ebenso gibt im Ijekavischen ein weiteres Phänomen, welches als „Ekavismus bei ijekavischem Jat-Reflex“ bezeichnet wird und sich in folgenden Beispielen zeigt: crepovi, bregovi, greška, strelica, vremena, vreo, zreo, sazreo, ogrešenje.

Obwohl das Ikavische „nur“ in diversen Dialekten auftritt, so sind jedoch auch bei den beiden anderen Varianten Spuren der Ikavica zu entdecken. Hier kann man die Steigerungsformen wie z.B. „noviji“ und „stariji“ nennen, welche im konsequenten Ekavischen „noveji“ und „stareji“ lauten würden. Diese Ikavismen sind auch in den Vergangenheitsformen zu finden, allerdings nur im Ijekavischen: htjeo > htio, živjeo > živio, smjejati se > smijati se, bjeljeg > biljeg. Auch wenn in der Umgangssrpache die Ijekavica-Formen (z.B. „htjeo“) vertreten sind, so ist es laut Hochsprache nicht korrekt.

TIPP:
Viele der jungen Österreicher, die Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien haben und Ijekavisch sprechen, haben oft das Problem, dass sie nicht genau wissen, wann „ije“ oder „je“ geschrieben wird. Hierzu gibt es eine kleine Eselsbrücke: Wenn ihr die Stellen im Wort, an denen „ije“ oder „je“ vorkommen könnte, lang aussprecht, so ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein „ije“ (mlijeko), während es bei kurzer Aussprache (mlječno) mit „je“ geschrieben wird. (NR)

Kosmo.at/Blog
Bild: iStock Photos/KOSMO
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