Obwohl das kleine istrianische Städtchen Draguć als Drehort zahlreicher Filme bekannt ist, in welchen es als „Filmkulisse“ mittelalterlicher Städte fungiert hatte, entdecken wir bei unserem Spaziergang durch die Stadt, dass es viel mehr als das ist.

Es ist eine Denkmalstadt mit Meisterwerken der Freskenmeister aus der Renaissance, mit einem außerordentlich erhaltenen architektonischen Erbe, das sich auf einer hervorragend geschützten Lage befindet. Heute tummeln sich dort leider mehr Katzen als Einwohner.

Jede Jahreszeit bringt eine andere Szenographie nach Draguć mit sich. Wir trafen das Städtchen in goldgelben, roten und noch immer grünen Farben des Herbstes und den gepflückten Weinreben an.

Nur wenige Einwohner beschäftigten sich mit der Olivenlese an den Berghängen unter der gut befestigten Stadt. Das Städtchen liegt an einer natürlichen Festung – einem herausragend gelegenen Bergkamm, der in Richtung Westen blickt und – die Alpe Učka nicht miteinrechnend – das höchste in Istrien ist.

Es ist gegen kalte Nordwinde, insbesondere gegen die Bora, gut geschützt, was der Grund dafür ist, dass es auch auf ca. 400 Meter Seehöhe und 30 km vom Meer entfernt die Labsal des Mittelmeerklimas genießt.

Das verlieh den Einwohnern, die sich bereits seit illyrischen Zeiten dort angesiedelt haben, zahlreiche Begünstigungen: Einen natürlichen Schutz gegen mögliche Angreifer und die Möglichkeit der Aufzucht von Mittelmeer-Kulturen, vor allem der Olive und der Weinrebe. Auf Nordwesten, Westen und Süden ist der Blick offen, weshalb man von Draguć aus dutzende Kilometer weiten Ausblick hat.

Ein Juwel für Kunstliebhaber

Die Fresken von Draguć, die sich in den Kirchen des Hl. Elysium und Hl. Rochus befinden, sind ein außerordentliches Beispiel provinzieller Renaissancemalerei mit Erdfarben auf dem Verputz.

– Die glagolitischen Graffiti, die neben ihnen eingekerbt sind, bestätigen, dass sich auf diesem Gebiet die autochthone kroatische Bevölkerung befindet – erklärt der Kunsthistoriker Mladen Lučić, ein großer Kenner von Draguć. Mittels Graffiti haben die damaligen Mönche, die zu den wenigen schriftkundigen Einwohnern gehörten, miteinander kommuniziert.

Die Fresken in der St. Rochus – Kirche wurden im jetzigen Ort Kašćerga, unweit von Pazin, in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vom Meister Antonius aus Padua gemalt. Dieser mittelalterlichen und aus der Renaissance stammenden Malerei, ist das Haus der istrianischen Fresken gewidmet, das voriges Jahr eröffnet wurde.

Interessanterweise wurden die istrianischen Fresken durch Beschluss des Kirchenkonzils aus dem 16. Jahrhundert mit weißer Farbe bestrichen, weshalb ein Großteil von ihnen erst nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurde.

Neben den zwei erwähnten Kirchen befinden sich in dem kleinen Städtchen noch zwei: die Kirche des Heiligen Rosenkranzes und die Pfarrkirche des Hl. Kreuzes, die sich auf dem Hauptplatz befindet. Zum Hauptplatz führt eine mit Steinen getäfelte Hauptstraße. Dort befinden sich Europäische Zürgelbäume und ein Steintisch – als Symbol der Stadtverwaltung. Hier befindet sich auch ein 19 Jahrhunderte alter Springbrunnen sowie ein Renaissanceturm aus dem 15. Jahrhundert.

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Heute ist das ein Aussichtsturm, von dem aus man einen hervorragenden Blick auf den Südosten hat, wo man von dem benachbarten Berg Grimalda und im Tal den See Butoniga erblickt.

Hier befindet sich auch die einzige Stadttaverne, ein Sammelplatz für alle, die sich in Draguć befinden. Das Städtchen wurde zum ersten Mal im Jahre 1102, in der Schenkungsurkunde des istrianischen Markgrafens Ulrich an die Patriarchen von Aquileia erwähnt. Danach gehörte es als Teil des zukünftigen Fürstentums den Grafen von Görz an und später gelangte es unter die Herrschaft der Habsburger.

Es wurde von Türken und Venezianern, unter dessen Herrschaft es im Jahre 1523 gelang, angegriffen. Neben den Kirchengraffiti ist in glagolitischer Schrift auch das Glagolitische Breviarium aus Draguć aus dem Jahre 1407 geschrieben, das in der Kirche des Hl. Kreuzes verwendet wurde und heute im Archiv der Kroatischen Akademie für Wissenschaften und Kunst in Zagreb aufbewahrt wird.

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Olivenhaine – Gebieter über ihre Eigentümer

Es ist undenkbar, in Draguć anzulangen und einen seiner Olivenhaine nicht zu besuchen. Obwohl man sich zu ihnen über einen steilen Fußweg schlagen muss – denn hier ist es für Autos und Straßen zu steil – ist der Ausblick jeder Mühe wert. Der Olivenhain von Zdenka und Ivan Blažević ist ein wahrer Gebieter über seine Eigentümer. Um Olivenöl zu gewinnen, ist viel Arbeit und Mühe notwendig, nicht vergleichbar mit jenen Olivenhainen, die sich in den Ebenen befinden. Die Oliven sind sogar bis zu 2000 Jahre alt und das Öl ist als mehrfacher Preisträger ausgezeichnet.

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Das ist, was mich aufrecht hält, weil man finanziell gesehen von diesen Oliven nicht leben kann – hebt Ivan Blažević hervor, dessen Gattin Zdenka ihm bei der Lese hilft.

Da jedoch Zdenka einen Großteil des Jahres in Dänemark verbringt, widmet er sich dem Olivenhain hauptsächlich allein. Manchmal hilft ihm sein Sohn, manchmal die Nachbarn, aber der alte Olivenhain ist eitel und erfordert sein volles Augenmerk. Seine Oliven befinden sich auf einem Hang von 45 Grad, weshalb jede Tätigkeit am Olivenhain ein wahres Abenteuer darstellt. Das Öl, das sie produzieren, verkaufen sie bis zum letzten Liter und viele sind willig, hunderte Kilometer zu reisen, um das Olivenöl persönlich zu übernehmen.

Die Olivenproduktion kann in Draguć nur dann bestehen, wenn sich jemand von den Jungen dafür interessiert. Aber die Jungen wollen das nicht. Sie interessieren sich für das Leben in der Stadt und niemand will im Olivenhain hart arbeiten – sagt Zdenka Blažević.

Die Zukunft von Draguć liegt in der Verknüpfung der Fremdenverkehrswirtschaft mit Landwirtschaft aus ökologischer Produktion mit Spitzenqualität – meint Emil Daus, der Gemeindevorsteher von Cerovlje, zu der Draguć gehört. Die Kommunal- und Infrastrukturprojekte wurden zu Ende erstellt. Der Ort hat ein Wasserleitungs- und Kanalisationsnetz und die Lebensbedingungen sind viel besser als sie es früher waren. Die großen Städte sind in der Nähe und immer mehr Menschen sehen ein, dass das Leben in einem Ort, wie es Draguć ist oder dessen Umgebung, große Vorteile mit sich bringt. Die Vorzüglichkeitszentren, die wir in Grimaldi und Draguć öffnen, werden sicher dazu beitragen – sagt Daus.

Es liegt an den Jungen, den Beschluss zu fassen: „Jene, die Draguć wählen, werden keinen Fehler machen,“ davon sind der Gemeindevorsteher und die wenigen übrig gebliebenen Einwohner überzeugt. (NR)

Autor: Tomislav Šikić

Video: Blazenka Franjic

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