Home Land und Leute Natur und Umwelt Die Tage der Kanarischen Dattelpalme sind in Zadar gezählt

Die Tage der Kanarischen Dattelpalme sind in Zadar gezählt

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Der Palm-Rüsselkäfer ist seit einigen Jahren in aller Munde. Er wurde vermutlich mit Palmen aus Malaysia eingeschleppt, wo er heimisch ist. Dort ist wird die Larve gebraten oder geräuchert gegessen und gilt als Delikatesse – das könnte man fast biologische Schädlingsbekämpfung nennen, denn sonstige Feinde sind nicht bekannt.

Um 1995 wurden die ersten Fälle aus Spanien bekannt, wo der Käfer vor allem Phoenix canariensis Hortulanporum ex Chabaud, 1882, die Kanarische Dattelpalme, kroatisch feniks palma, befiel. Schnell breitete er sich aus, eroberte Mallorca und die anderen Inseln und zog dann gemächlich Richtung Frankreich. Und auch dort wurden mehr und mehr Fälle bekannt. Von Frankreich aus war es dann für ihn nur ein kleiner Sprung nach Italien. Und ab 2010 wurden erste Funde aus der Gegend um Opatija gemeldet.

Der erste offiziell dokumentierte Fund in Kroatien stammt aus dem Jahr 2011, als in Turanj, einem kleinen Ort in der Nähe von Sveti Filip i Jakov, befallene Palmen gefunden wurden und der Käfer identifiziert werden konnte. Seit diesem Zeitpunkt fielen mir im Gebiet ab Zadar Richtung Süden immer mehr Palmen auf, deren Krone abgestorben war. Und diesen Winter scheinen die Larven besonders aktiv gewesen zu sein, denn in vielen Gärten sind die Kanarischen Dattelpalmen bereits tot.

An diesem Beispiel sieht man, wie gefährlich es ist, invasive Pflanzen zu setzen und vor allem, sie unkontrolliert einzuführen. Die großen Palmen, die an der dalmatinischen Küste stehen, sind etwa 80-100 Jahre alt, wurden also zur Zeit der Habsburger Monarchie und danach gepflanzt. Die Käfer sind erst später ungewollt eingeführt worden und vermehren sich seitdem ungehindert.

Schadbild mit zerstörter Krone

Rhynchophorus ferrugineus Olivier, 1790, der Rote Palm-Rüsseläfer oder crvena palmina pipa gehört stammt aus der Familie der Rüsselkäfer. Die Weibchen legen bis zu 300 Eier an die Basis der Palmwedel aus denen nach kurzer Zeit die Larven schlüpfen. Und diese Larven sind enorm gefräßig und nagen sich nach und nach durch das Innere der Pflanze. Und genau das ist unser Problem, denn hier sind sie hervorragend geschützt und sind auch weder chemisch noch mechanisch bekämpfbar. Sind die Larven dick und rund, verpuppen sie sich an der Basis der Wedel. Diese sind zu diesem Zeitpunkt durch den Fraß so geschädigt, dass sie abfallen. Am Schluss ist die gesamte Krone der Palme kahl und sie stirbt ab.

2009 hat das Kroatische Ministerium eine Direktive erlassen, um diesen Schädling erst gar nicht aufkommen zu lassen. Die Unvernunft der Menschen hat leider verhindert, dass die Palmen, die für viele an die Küsten des Mittelmeeres gehören, gerettet werden können. Mittlerweile sind die Schäden so hoch, dass es in absehbarer Zeit keine Palmen mehr geben wird.

Die einzige Möglichkeit, aktuell den Schädling einzudämmen ist, betroffene Palmen konsequent zu verbrennen. Leider finde ich immer wieder abgesägte und befallene Stämme in der Wildnis, in denen die Larven bis zur Verpuppung überleben können. Und die daraus schlüpfenden Käfer sind überaus agil und suchen sich ihre nächste Wirtspflanze. Und so ist es auch hier Fakt, dass der Mensch selbst seine Umwelt zerstört.



Kalifornische Washington-Palme, vašingtonija ohne Befall, daneben die zerstörte Phoenix

Bis jetzt habe ich im Raum Zadar nur befallene Palmen der Gattung Phoenix gefunden. Es finden sich aber auch Hinweise, dass andere Palmenarten, wie die Zwergpalme, niska žumara durchaus als Nahrung für die Larven geeignet ist.

 


Sonnenuntergang mit Washingtonia filifera (Linden ex André) H.Wendland, 1880 auf Vir
 

Ein Beitrag von: Moni Losem
 Quelle und Bilder: Kroatiens Fauna und Flora
 Literaturtipp: Ministarstvo poljoprivrede, ribarstva i ruralnog razvoja: Pravilnik o mjerama za sprječavanje unošenja i širenja crvene palmine pipe - 
 Rhynchophorus ferrugineus (Olivier)
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