Während der Belagerung von Sarajevo vom Mai 1992 bis November 1995 wurde der Sarajevo-Tunnel von der bosnischen Armee gebaut.

In erster Linie diente die unterirdische Fußweg-Verbindung unter der Start- und Landebahn des Flughafens Sarajevo als Fluchttunnel zwischen dem durch serbische Streitkräfte belagerten bosnisch-kroatischen Teil Sarajevos und einer angrenzenden Vorort-Gemeinde, die nicht von der Belagerung betroffen war. Ab Mitte 1993 diente der Tunnel sowohl zu Fluchtzwecken, als auch um die belagerte Stadt mit Lebensmitteln und notwendigen Gütern zu versorgen.

Im Juli 1992 trafen die Serben mit den Vereinten Nationen, dass der Flughafen nur für Zwecke der Vereinten Nationen genutzt werden durfte. Da sich der Flughafen aber zwischen der Stadt und unbesetztem Gebiet befand, ging dadurch der einzige Versorgungsweg für Sarajevo verloren, da serbische Scharfschützen ein Überqueren der Start- und Landebahn praktisch unmöglich machten.

So kam es auch zur Idee, eine unterirdische Verbindung zu bauen. Die Arbeiten in Butmir begannen am 28. April 1993 in der Nähe des Hauses der Familie Kolar. Der Tunnel war 800 Meter lang, hatte eine durchschnittliche Breite von einem Meter und eine durchschnittliche Höhe von etwa 1,5 Metern.

Zwei Feldfernsprecher galten als Verbindung zwischen den zwei Zugängen. Damit man den Tunnel nutzen konnte, musste man die Erlaubnis der zuständigen Militärführung einholen. Neben Nahrungsmittel, Waffen und Medikamenten, wurden auch zahlreiche Verwundete durch den Tunnel transportiert. Im Durchschnitt nutzten 4.000 Menschen pro Tag den Tunnel.

Mittlerweile ist das Haus der Familie Kolar mit einem Originalstück des Tunnels von 20 Metern Länge ein Museum. (NR)

Quelle: Kosmos
Bild: Dalmatinka Media
Video: RikiWorld
Mehr in Verbindung stehende Beiträge laden
Mehr laden von Norbert Rieger
Mehr laden in Ausland

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Überprüfen Sie auch

Abfallwirtschaft: 1,18 Millionen Container für 400 Orte

Bis Mitte Juni 2021 erhalten rund 400 Städte und Gemeinden, die einen Antrag auf den Umwel…