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Der leise Tod der Palmen

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Es ist ein trauriges Bild, das sich einem bietet, wenn man durch Städte und Orte an der adriatischen Küste geht. Dort, wo früher hohe Palmen die Küste gesäumt haben und das Bild der Rivas geprägt haben, findet man oft nur noch die Stämme ohne Wedel, die Palmen sind tot. Wir berichteten!

Zerstört von den Larven eines großen Rüsselkäfers, der im Inneren der Pflanze sein zerstörerisches Werk vollbringt. Anfangs dachte man, dass nur die Kanarische Dattelpalme Nahrungspflanze ist, das wurde mittlerweile widerlegt, denn die Käfer wurden auf fast allen Palmenarten gefunden.

Rhynchophorus ferrugineus Olivier, 1790, der Rote Palm-Rüsselkäfer oder crvena palmina pipa ist der Übeltäter, dessen Larven sich ausschließlich in Palmen entwickeln können. Ein Weibchen kann bis zu 300 Eier legen, bevorzugt an der Basis der Palmwedel. Die jungen Larven dringen in das Gewebe ein und beginnen zu fressen. Und damit beginnt das Sterben der Palme, da den Larven kaum Einhalt geboten werden kann. In den ersten Jahren habe ich mein Ohr immer wieder an Palmen gehalten, um die Fraßgeräusche zu hören. Mittlerweile brauche ich das nicht mehr, denn es gibt kaum eine Palme, die nicht befallen ist.

Doch wie konnte es so weit kommen?

Der große Käfer war ursprünglich in Malaysia und Indonesien zu Hause. Bis 1995 kam er in Südeuropa nicht vor. Vermutlich durch (illegale) Importe befallener Palmen gelangte er nach Spanien und fühlte sich in den Palmen entlang der Küste sofort wohl. Aber auch „Souvenirs“ aus anderen Ländern haben der Verbreitung des Käfers Vorschub geleistet. Von den größeren Lieferungen stehen vor allem die aus Afrika im Verdacht, den Rüsselkäfer in großer Zahl nach Europa gebracht zu haben. Die Nachfrage nach Palmen war in diesen Jahren extrem hoch, sodass die nötigen Kontrollen bzw. die vorgeschriebene Quarantäne gerne umgangen wurden. In den folgenden 5 Jahren schaffte es der Käfer, der durchaus flugfähig ist, nach und nach die spanische, französische und italienische Küste zu erobern.

In Kroatien gab es bis ins Jahr 2009 keinen nachgewiesenen Befall der hiesigen Palmen. Trotzdem hat das Kroatische Ministerium in diesem Jahr eine Direktive erlassen, die die Einfuhr und vor allem das Handeln bei Bekanntwerden eines Befalls klar regelt. Sollten Käfer gefunden werden, muss ein Quarantänegebiet ausgewiesen werden und die Palmen müssen vernichtet werden. Doch wie so oft wurde auch dieses Gesetz ignoriert und so kam es wie es kommen musste. 2011 wurde in Kroatien in dem Küstenort Turanj südlich von Zadar der erst Rote Palmrüssler gefunden. Nachdem der Ort hunderte Kilometer von den befallenen italienischen Palmen entfernt ist, muss man davon ausgehen, dass hier eine Palme gepflanzt wurde, die nicht kontrolliert war. Und von da aus hat der Käfer seinen „Siegeszug“ in ganz Kroatien angetreten.

Seit 2013 schreibe ich über die Gefahr, die von über die Grenzen geschmuggelten Pflanzen ausgeht, und dies hier ist ein Paradebeispiel, was passieren kann. Und auch die Einhaltung minimalster Quarantänevorschriften wurde hier, wie auch in den anderen Mittelmeerländern, nicht beachtet. Was eine Palme kaputt, wurde sie vielerorts ausgegraben und in der Wildnis entsorgt. Damit war allerdings das Problem nicht gelöst, es hat sich potenziert. Denn die Larven verpuppen sich auch in diesen Palmen und nach der Puppenruhe schlüpfen die Käfer. Deshalb finde ich es nicht richtig, heute die Schuldigen zu suchen, die für den gesamten Schaden aufkommen müssen. Es ist ein Problem, dass über Jahre entstanden ist und eigentlich müssten nicht nur die Privatleute sondern auch der Staat und Gärtnereien, die Palmen verkaufen, dafür gerade stehen. Aber wie so oft wird hier nur mit dem Finger auf den oder die „Schuldigen“ gezeigt, passieren tut aber nichts. Wo ist die Kontrolle, die vorgeschrieben ist? Warum werden befallene Palmen nicht gemeldet, wie es Pflicht ist? Mein Fazit ist, dass in allen Mittelmeerländern das Problem verschleppt worden ist und jetzt, wo die Ausmaße erkennbar sind, weiß niemand so richtig, was zu tun ist.

Was kann getan werden?

Es gibt Mittel, die über einen Schlauch in die Palme eingeleitet werden und die Käferlarven nachweislich abtöten. Die Frage ist, ob auch die Puppen daran sterben, denn sie sind durch einen dicken Kokon geschützt ist. Ein angepriesenes Insektizid ist 1-Naphthyl Methylcarbamat, das mit einem die Wirkung verstärkenden Mittel kombiniert wird. Dass dieses Mittel auch andere Insekten abtötet, brauche ich hier nicht extra zu erwähnen.

Auch Nematoden werden angeboten, die die Larven von innen her ausfressen. Alles in allem wird aber vermutet, dass das nur ein Aufhalten der Plage aber keine Befreiung von eben dieser ist.

Fazit

Palmen, so wie wir sie heute an den Küsten kennen, sind keine ursprünglich hier beheimateten Pflanzen. Seit etwa 150 Jahren schmücken sie Städte und Dörfer und gehören für uns zum typischen südländischen Flair. Da sie eingeführt wurden, hatten sie hier auch keine natürlichen Feinde – zumindest bis zu jenem denkwürdigen Jahr 1995, als die ersten Käfer auftauchten.

Da die Ausbreitung der Käfer kaum registriert und schon gar nicht dokumentiert wurde, ist heute ein Großteil der Palmen befallen und könnte nur durch einen massiven Gifteinsatz gerettet werden. Um Quarantänemaßnahmen innerhalb des Landes durchzuführen ist es meiner Meinung nach zu spät. Und auch die Entsorgung in der Natur hätte viel früher gestoppt werden müssen.

Die Stadt Zadar musste am alten Hafen alle Palmen entfernen, da sie fast abgestorben waren. Anstatt lokale Bäume zu setzen, die keinen massiven Gifteinsatz benötigen, wurden wieder Kanarische Dattelpalmen gepflanzt. Für mich ist das eindeutig der falsche Weg, da eine Eindämmung nicht mehr möglich ist. Und es hat sich gezeigt, dass der Käfer nicht nur diese Palme mag, er kann sich in vielen verschiedenen Arten entwickeln.

So sehe ich die Palmen am Mittelmeer als aussterbende Art, im Gegensatz zu vielen Städten und Gemeinden, die ihre Bestände mit einem hohen chemischen Aufwand am Leben halten wollen. Ein Umstand, der mich sicher daran hindern wird, mit meinen Hunden an diesen vorbei zu gehen.

Vielleicht sollten wir es wie die Einheimischen im Ursprungsland des Käfers machen. Denn dort gelten die Larven – roh oder gebraten – als Delikatesse. Das wäre zumindest eine biologische Bekämpfung ohne negative Folgen für die Umwelt. Aber so richtig anfreunden kann ich mich mit diesem Gedanken nicht.

Monika Losem/Redaktion Natur und Umwelt
Diplom-Biologin
Links: Kroatien-Fauna und Flora
       Schädlinge in Kroatien
       Zadar´s Palmen müssen weg
Bild: Bruno Ivanovic

 

 

 

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