Home Land und Leute Natur und Umwelt Das Bilsenkraut, bijela bunika – eine alte Hexen- und Orakelpflanze

Das Bilsenkraut, bijela bunika – eine alte Hexen- und Orakelpflanze

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Als ich als Kind das erste Mal etwas über diese Pflanze gelesen habe, hatte das etwas Mystisches, Gespenstisches. Von Hexen war da zu lesen, die sich eine Salbe mit Teilen der Pflanze zubereitet haben. Und dank dieser Salbe waren sie in der Lage zu fliegen. Ja, im Mittelalter war das Bilsenkraut tatsächlich Zutat für unterschiedlichste Tränke und Tinkturen. Wobei man ihre Wirkung nicht verstanden hat, und so waren natürlich wieder die Hexen an allem Unerklärbaren schuld.

Hyoscyamus albus Linné, 1753, Ražanac

Der Jahreswechsel ist die Zeit, in der Horoskope und Wahrsagen Hochkonjunktur haben. Das ist in Kroatien genauso wie in allen anderen Ländern. Die Zeitungen sind voll davon und Medien oder auch ominöse Tests prophezeien, was im kommenden Jahr passieren wird.

Auch unsere Vorfahren waren begierig darauf zu wissen, was die Zukunft bringt. Damals hat man nicht aus den Sternen gelesen, man hat sich Orakel bedient, die ganz genau sagen konnten, was einem bevorsteht. Und hier kommt das Bilsenkraut ins Spiel. Denn diese Droge wurde eingesetzt, um die Priesterinnen des Orakels aber auch Schamanen und andere Hexenmeister in Trance zu versetzen. Und in diesem Zustand haben sie dann ihre Prophezeiungen kund getan.

Das weiße Bilsenkraut, das ich hier vorstelle, wächst in Südeuropa und gehört wie Stechapfel, Tomate oder Melanzani zu den Nachtschattengewächsen. Viele Pflanzen dieser Familie produzieren giftige Alkaloide, die in geringer Konzentration als Medizin, in höherer als Rauschmittel eingesetzt wurden und leider auch noch werden. Denn so ganz ungefährlich ist die Einnahme dieser Droge nicht, können die beiden Wirkstoffe (S)-Scopolamin und (S)-Hyoscyamin ein Aussetzen der Atmung und/oder einen Herzstillstand hervorrufen, da es direkt auf die Nerven wirkt.


Trotz seiner Giftigkeit sehe ich diese niedrig wachsende und mehrjährige Pflanze als einen wichtigen Bestandteil der kroatischen Flora. Ihr Lebensraum sind öde Ruderalflächen, sie wächst aber auch an und auf Steinmauern. Und obwohl sie als Orakel- und Hexenkraut verschrien ist, habe ich direkt an der Kirche von Ražanac eine Pflanze gefunden, die hier ihre wunderschönen gelben Blüten geöffnet hat.

 

Ein Beitrag von: Moni Losem
Quelle und Bilder: Kroatiens Fauna und Flora
Literaturtipp: N.J.B.G Guibourt’s Pharmaceutische Waarenkunde, Nürnberg 1824
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