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Bura – die Facetten eines stürmischen Windes

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„Stell dich in die Bura, sie bläst alle schlechten Gedanken aus deinem Kopf“ hat mir vor Jahren ein Kroate gesagt. Und irgendwie ist da etwas dran, denn wenn sie heftig bläst, dann vergisst du alles andere um dich.

 

Bura in Karlobag

Die Bura ist in Kroatien wohl der bekannteste Wind. Viele haben sie nur im Sommer kennen gelernt, wobei sie auch in der heißen Jahreszeit durchaus kräftig blasen kann. Ihre wahre Jahreszeit ist aber der Winter, wenn sich große Druck- und Temperaturunterschiede zwischen dem Meer und dem Kontinent aufbauen.  Aber es sind noch weitere Faktoren nötig, damit sie so richtig in Fahrt kommen kann. Die Bura ist ein Fallwind, und so entsteht sie nur an den Flanken hoher Gebirge, die sie herunter rasen kann. Einschnitte in diesen Flanken können ihre Geschwindigkeit enorm verstärken, wie es z.B. im Hinterland von Senj der Fall ist. Und all diese Gegebenheiten finden wir an der kroatischen Küste entlang des Velebits aber auch an anderen Gebirgen.  Deshalb ist dieser Wind an der Küste auch ablandig, fegt über das Meer und prallt dann auf die Inseln.

 

Die Besonderheiten dieses Windes machen ihn vor allem für alle Wassersportler ganz besonders gefährlich. I’m Sommer kündigt sich die Bura überhaupt nicht an, sondern kann urplötzlich losstürmen. Zusätzlich ist sie kein steter Wind, sondern weht in orkanartigen Böen. Zwischen den Böen kann es längere Pausen geben, die einen in Sicherheit wiegen. Auch die Dauer der Bura variiert. Von ein paar Stunden im Sommer kann sie im Winter mehrere Wochen aktiv sein. Wobei der Wind bei so langer Dauer zwischendurch immer wieder Pausen macht.

 

Der Kern der Bura entsteht immer hoch oben auf den Gipfeln. Dabei gibt es zwei Arten der Bura, die sich in ihrer Ausprägung stark unterscheiden:

 

Ciklonalna bura: Sie entsteht bei einem ausgeprägtem Tiefdruckgebiet und wird begleitet von starken Regenfällen an der Küste und auf den Inseln sowie von Schneefällen im Gebirge. Beobachten konnte ich diese Form nur in den Wintermonaten, wenn es auf dem Kontinent sehr kalt ist. Bei dieser Form ist die Sicht schlecht und es kann dichter Nebel entstehen. Dadurch ist diese Form visuell nur schwer vorhersagbar. Allein die tiefdunkle, quecksilberartige Farbe des Meeres kann auf einen Ausbruch hindeuten.

 


Anticiklonalna bura: Sie ist die typische Bura, wie wir sie alle kennen. Hoch auf den Gipfeln bildet sich eine dichte Wolkenkappe, die nur wenig herunter reicht. Der restliche Himmel ist tiefblau.

 


Ist die Wolkendecke kompakt, beginnt der Wind zu blasen und kann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 240 km/h herunter fegen. Dabei ändert sich die Wolkenkappe auf den Bergen, sie wird lockerer und scheint ebenfalls die Hänge herab zu fließen. Diese extrem heftige Bura wird auch orkanska bura genannt. Und sie ist auch für ein weiteres Phänomen verantwortlich, nämlich für die Salzgischt, die sie vor sich hertreibt. Diese wiederum wird dann über die vorgelagerten Inseln verteilt und lagert sich als dicke Salzkruste ab. Aus diesem Grund sind auch die Seiten der Inseln, die Richtung Küste weisen, kahl und fast ohne Bewuchs.

 

Das Ende der Bura ist bei beiden Formen ähnlich. Wenn der Wind abflaut, reißt das Wolkenband über den Gipfeln in großen Streifen ab. Unter besonderen Umständen können auch linsenförmige Wolken entstehen, die langsam über den Himmel ziehen. Danach folgt immer eine Periode mit Sonne.

 

 

Ein Beitrag von: Moni Losem

Quelle: Enciklopedija

Bilder: Kroatiens Fauna und Flora

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