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Aus #stayathome wird ein unglaubliches #staytogether

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Ein Beitrag von Moni Losem/Insel Vir

Das verheerende Beben und die unzähligen Nachbeben (alleine vom 03.01.2021 bis zum 04.01.2021 gab es 90) haben die gesamte Region um Petrinja schwer getroffen. Und es ist kein Ende in Sicht. Immer wieder zittert die Erde, Häuser, die bereits schwer vorgeschädigt sind, stürzen endgültig ein und unzählige Familien haben durch diese Naturkatastrophe ihr Heim, manche ihre Existenz verloren.

Die Hilfen für Petrinja liefen umgehend an, und trotz der vielen Probleme, die die Menschen in ganz Europa wegen der Corona-Pandemie haben, wurden überall Sach- und Geldspenden für die Erdbebenopfer gesammelt. Nicht nur von offiziellen Stellen, auch auf den verschiedenen Internetplattformen wurde gesammelt, um den Menschen direkt und unbürokratisch helfen zu können.

Die ersten Lieferungen gingen in die am schwersten betroffene Stadt Petrinja, wo die Spenden gesammelt und verteilt wurden. Was uns damals auffiel war, dass die unzähligen kleinen Orte in der Gegend nicht erwähnt wurden und dass dort auch kaum Spenden ankamen. Deshalb haben wir uns überlegt, dass wir für diese Menschen sammeln und ihnen Spenden und Geld direkt übergeben werden.

Nach einem Aufruf in verschiedenen sozialen Medien haben uns viele Mitglieder der dortigen Gruppen ihre Hilfe zugesagt und uns Geld geschickt. So viel, dass wir zahlreiche Hilfspakete zusammenstellen konnten, die einen mit Nahrungsmitteln, die anderen mit Drogerieartikeln, Handtüchern und natürlich Masken. Und auch für die Katzen und Hunde haben wir Futter mitgebracht.

Am 01. Jänner 2021 war es dann soweit, dass die vier, nämlich Nela, Enes, Sascha und Sabrina mit einem kleinen LKW starten konnten, den uns Sabrina zur Verfügung gestellt hat. Auf der Fahrt in das Erdbebengebiet waren alle noch guter Dinge, sie freuten sich, dass sie Menschen, die alles verloren haben, ein bisschen helfen konnten.

Doch sobald sie sich dem Gebiet näherten, wechselte die Freude in blankes Entsetzen. Häuser und Kirchen waren komplett zerstört und durften nicht mehr betreten werden.

Das erste Dorf, das wir erreichten, hieß Letovanic, ein Ort, in dem bis jetzt kaum Spenden angekommen sind. Wir besuchten ein Haus nach dem anderen und haben sowohl Hilfsgüter als auch Geld an 20 Familien verteilt. Es waren tränenreiche Stunden, die wir hier verbracht haben, denn die Bescheidenheit der Menschen, die meinten, dass andere schlimmer betroffen sind, hat uns tief bewegt. Aber auch die Zuversicht, mit der sie trotz ihrer katastrophalen Lage in die Zukunft blicken.

Viele Häuser waren stark zerstört. Es gab aber auch Familien, deren Häuser komplett dem Erdboden gleich gemacht wurden. So ist es dieser Familie passiert, deren Haus einst dort stand, wo heute nur noch Reste vom Schutt liegen, der zu diesem Zeitpunkt bereits größtenteils von einem Bagger entfernt worden war.

Einige wenige hatten noch Planen, mit denen sie sich eine provisorische Unterkunft bauen konnten. Aber das waren die wenigsten, die meisten mussten bei eisigen Temperaturen im Freien oder in ihrem Auto ausharren, immer in Angst, dass ein neues, starkes Beben kommt.

In Laufe der nächsten Stunden haben wir in verschiedenen Dörfern unzählige Familien besucht, die noch auf Hilfe gewartet haben.

Wir trafen aber auch immer wieder Bewohner, die bis zu diesem Tag noch überhaupt keine Hilfe erhalten haben.So auch diese 87 Jahre alte Dame, die wir in einem kleinen Dorf trafen. Das Dach ihres Hauses und der Schornstein waren eingebrochen, sodass sie im Kalten saß. Diesen Menschen, haben wir sowohl mit Sachspenden als auch finanziell geholfen, damit sie sich z.B. nötige Medikamente besorgen können.

Wir haben lange über unsere Fahrt in das Erdbebengebiet gesprochen und fühlen uns in unserem Beschluss bestätigt, den Bewohnern der kleinen Dörfer zu helfen. Das Leid und die Not hier ist unvorstellbar groß, die Menschen kämpfen um das nackte Überleben, sind aber gleichzeitig hoffnungsvoll und so mancher hat gesagt, dass die heutige Lage wesentlich schlimmer ist als die nach dem Krieg, als sie gezwungen waren, ebenfalls bei null wieder anzufangen.

Besonders wichtig aber ist, dass unsere Fahrt und die Verteilung der Hilfsgüter nicht ohne die Hilfe von vielen Menschen möglich gewesen wären, die uns in allem unterstützt haben. Es war eine unglaubliche Welle der Solidarität zu fühlen, eine Empathie für all diejenigen, die zurzeit kein Dach über dem Kopf haben. Und wir möchten allen danken, die uns sofort Geld und Sachspenden geschickt haben. Denn ohne euch/Sie wäre diese Aktion nicht möglich gewesen.

Als die ersten Bilder über diese Fahrt veröffentlicht wurden, erhielten wir sofort aus unzähligen Facebook-Gruppen die Zusage für weitere Hilfe. Und es war nicht nur ein Versprechen, es folgten umgehend Taten, die es uns ermöglichen, am 10.01.2021 erneut schwer bepackt Richtung Petrinja zu fahren.

Es ist unmöglich, jedem einzelnen zu danken, deshalb sagen wir hier ein großes Dankeschön an alle, die die erste aber auch die zweite Fahrt ermöglicht haben.

Bild: Antonela Volk

 

 

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