Home Land und Leute Natur und Umwelt Alte Mauern – Lebensraum für Überlebenskünstler

Alte Mauern – Lebensraum für Überlebenskünstler

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Platz ist in der kleinsten Ritze, das sagen sich einige Pflanzen, die auch unter Extrembedingungen wachsen können. Sie werden zwar selten so groß, wie sie in einem optimalen Habitat werden könnten. Aber sie zeigen, dass sie auch aus kleinsten Ansammlungen von Erde oder Humus genügend Nährstoffe aufnehmen können, wobei sie häufig von Moosen unterstützt werden, die kleinste Mengen an Erde in den Ritzen festhalten.

Auch alte Stadtmauern oder Mauern von Gebäuden haben verschiedene Lebensräume, in denen unterschiedliche Bedingungen herrschen. Hoch oben ist es vor allem im Sommer sehr heiß und trocken, hier können nur Pflanzen überleben, die Wasser speichern können bzw. sehr wenig benötigen.




Zu den Hochalpinisten unter den Pflanzen gehören nicht nur verschiedene Gräser, sondern auch viele blühende Pflanzen. Eine davon ist Galium mollugo ssp. corrudifolium Linné, 1753, das Mittelmeer Labkraut, bijela bročika, das in die Familie Rötegewächse gehört. Es wächst sehr zierlich, die Blätter sind schmal, sodass nicht viel Wasser verdunstet werden kann.




Man traut es ihm eigentlich nicht zu, aber auch Papaver rhoeas Linné, 1753, der Klatsch-Mohn, mak turčinak schafft es, hoch oben zu überleben wie hier auf der Stadtmauer von Nin.




Antirrhinum majus Linné, 1753, das Große Löwenmaul, velika zijevalica kennen viele, denn es wächst fast überall. Diese Pflanze stammt ursprünglich aus Südeuropa und hat vor langer Zeit ihren Siegeszug in mitteleuropäische Gärten angetreten. Hier, in seiner Heimat, ist das Löwenmaul mehrjährig.




In der Mittellage, wo es auch manchmal Schatten gibt, finden sich andere Pflanzen zurecht. Sedum acre Linné, 1753, der Scharfe Mauerpfeffer ist ein typischer Vertreter. Er galt früher als Heilpflanze, Ende des 19. Jahrhunderts wurden aber seine hochgiftigen Inhaltsstoffe entdeckt, sodass er heute nicht mehr verwendet wird.




Anagallis arvensis Linné, 1753, der Acker-Gauchheil, poljska krivičica, mag es eigentlich etwas fruchtbarer. Dennoch findet man ihn ab und zu an Mauern, wobei seine Blätter hier deutlich sukkulenter sind als die der auf Feldern wachsenden Pflanzen.




Nähern wir uns dem Boden, werden die Bedingungen für die Pflanzen deutlich besser. Es gibt mehr Schatten und damit auch mehr Feuchtigkeit. Hier wachsen Glaskräuter und können recht große Horste bilden. Eine häufige Art ist Parietaria judaica Linné, 1756, das Ästiges Glaskraut, razgranjena crkvina.




Aber auch das im Titelbild gezeigte Parietaria officinalis Linné, 1753, Aufrechte Glaskraut, ljekovita crkvina findet man häufig. Letzteres scheint aber deutlich hitzeresistenter zu sein.




Eher selten findet man Ehrenpreis, denn er bevorzugt bessere Standorte. Dennoch kann er sich an geeigneten Stellen behaupten.




Rubia tinctorum Linné, 1753, die Färberröte oder bojadisarski broć wurzelt unter oder an einer Mauer, ihre Triebe aber werden sehr lang und durchdringen lockere Mauern. So sieht es aus, als würde sie in der Mauer wachsen.




An richtig feuchten Stellen, zum Beispiel an den Mauern alter Brunnen oder an der Innenseite von Ruinen wie in der Burg Kličevica, findet man schließlich Mercurialis annua Linné, 1758, das Einjährige Bingelkraut, jednogodišnji prosinac. Auch das Bingelkraut wurzelt in der Erde, drängt sich aber ganz eng an seine Mauer.

Dies ist nur ein kleiner Auszug an Pflanzen, die man auf Mauern findet, den Kapernstrauch und auch das Zimbelkraut habe ich bereits vorgestellt. Und selten schafft es auch ein Baum wie die Feige, Fuß zu fassen.

Und so heißt es nicht nur „Die Wüste lebt“, nein, auch Mauern sind dicht besiedelt und bieten Pflanzen und auch Tieren Lebensraum und Verstecke.


Ein Beitrag von: Moni Losem
 Quelle und Bilder: Kroatiens Fauna und Flora
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