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Unter weißen Segel durch die Kornaten

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Ein Beitrag von Herbert T. (andreas underworld)

Es war diesmal eines der eher kleineren Schiffe, welches ich in den 16 Jahren meiner aktiven Skippertätigkeit bei Angelinas Yachtcharter über Boote Kamper gechartert habe.

Biograd – Marina Sangulin

Die Star-Chiara eines aus der Flotte von über 140 Motoryachten, Katamaranen und Segelyachten, hervorragend gepflegt für ihre 6 Jahre im Charterbereich, zugelassen und ausgestattet ist sie für 6 Personen. Im Küstenbereich und als Tagessegler sogar zur Not für 10 Wagemutige. Nur dann müssten vermutlich vier stehend, beziehungsweise im Beiboot nächtigen. Bei uns war der Platz großzügig. Unter Deck im Saloon sogar beinahe riesig.

Das Prozedere der Übernahme ging wie immer absolut reibungslos von sich. Anmelden in der Charterbasis – Ein kleiner Flirt mit den netten Mitarbeiterinnen – etwas Papierkram und zum Schluss der Schlüssel zum Boot.

Die bereits vorgekühlte Flasche Sekt, eine Einladung von Angelinas Charterbasis zur Begrüßung fand ich aufmerksam und als angenehme Begleiterscheinung.

Bereits wenige Minuten später erfolgte die offizielle Übergabe und Erklärung der Yacht durch einen perfekt deutschsprechenden Techniker.

Während meine Crew das Gepäck verstaut und die letzten Einkäufe erledigt, widme ich mich den wirklich wichtigen Dingen rund ums Boot. Es folgen wichtige Gespräche, die mit dem (Gast)Wirten meines Vertrauens am Eingang zur Marina geführt und das Karlovacko Crno Pivo verkostet werden muss.

Nur leider hat mich die zurückkehrende Crew dabei erwischt und in die Realität des Lebens zurückgerufen.

Die Crew gemischt und bunt zusammengewürfelt, stammte aus Wien, Graz, Velden und meine Wenigkeit aus Villach. Jeder mit seinen mehr oder weniger romantischen Vorstellungen von einer Reise unter Segel durch die karge, wildromantische Inselwelt der Kornaten.

Am Schiff wurden aus Fremde eine Crew und aus der Crew wurden Freunde. Verzeiht mir die Freiheit, aber ich erlaube mir die schriftstellerische Freizügigkeit der freien Namensgebung. Jeder Betroffene wird sich mit schlafwandlerischer Sicherheit wiedererkennen bzw. vehement abstreiten, diese Person nur ansatzweise zu kennen.

Unser “Rosale” zum Beispiel, zuständig für selbstzufallende und selbstsperrende Toilettentüren – servierte zum Sundowner den besten Gin Tonic der Welt.

Sie war es auch, die die Wassertemperaturen für uns getestet hat und dafür  die Verantwortung übernahm, dass die gesamte Crew mehrmals täglich sich in die am 5. Mai noch recht kühle Adria wagte.

Hitzige Gefühle wurden abgekühlt und der Kreislauf angeregt.

So ging es los:

Pasman

Das Schiff wurde pünktlich übernommen, mit Proviant versehen und um 16:00 Uhr hieß es dann endlich: Leinen los und Kurs 270° in Richtung Pasman, wo nach ungefähr einer Stunde auf 8 Meter Tiefe der Anker fiel und dieser sich in den sandigen Meeresboden eingrub. Ruhig lag das Schiff vor Anker. Die servierten Sandwiches waren leicht überdimensioniert, mussten mit beiden Händen gehalten werden und waren für große Mäuler bestimmt. Sie waren einfach köstlich und wurden nur vom Gelben Muskateller aus der Südsteiermark geschmacklich übertroffen.

An diesem Abend wurde mir wieder bewusst, welche schönen Dinge das Leben bereithält.

Die Anstrengung der Anreise, der Einkaufstrubel und der Stress beim Einräumen des Schiffes waren wie weggeblasen und wohlige Ruhe kehrte ein.

Nirgendwo sonst bin ich mit der Natur näher verbunden als an Bord eines hochseetauglichen Segelschiffes.

Beinahe mussten wir die Reise, auf Grund einer zufallenden und sich dabei selbstversperrenden Türe unserer Bordtoilette, unterbrechen.

Herr Klabautermann hat jedoch nicht mit unserem “Rosale” gerechnet. Sie, die im realen Leben professionell hilft, Kinder auf die Welt zu bringen hat unter telefonischer Anleitung eines Technikers – die Loch auf Loch-Technik angewandt und wie ein kleiner Einschleichdieb die Versperrung der Klotür ohne gröbere Gewaltanwendung überwunden. Rosale ist seitdem unsere Klotürenbeauftragte. Ein nautischer Titel, ähnlich dem des 1. Offiziers an Bord eines Luxusliners.

Levrnaka – Lojena

Der Wetterbericht versprach eine leichte Bora die uns auf Raumwindkurs in Richtung Telascica und in die Kornaten trieb.

Dieser wunderschöne erste Segeltag, an dem das Schiff von allen Crewmitgliedern unter Segel gesteuert wurde, fand auf der Insel Levrnaka in der nach Süden offenen Bucht sein Ende.

Das einzige Geräusch das wir wahrnehmen konnten,  war das leichte Klatschen der Wellen an unserem Bug und das Blöcken der freilaufenden Schafe und Lämmer.

Teile der Crew wollten diese Tiere streicheln, andere sahen sie schon in der eisernen Peka-Pfanne unter Holzkohle dahin schmurgeln, (für Andersdenkende, Lehrer und Sonstige – schmoren wäre der richtige Ausdruck) um nach etwa zwei Stunden im Mund zerfallend verspeist zu werden.

Auf allgemeinen Wusch wurden auf Spaghetti Carbonara mit Tomatensalat zugunsten Rosales Sandwiches abermals verzichtet.

Es gibt am Schiff immer arbeiten die mit mehr oder weniger Freude gemacht werden müssen. Abwaschen ist so eines dieser Higlights.

Trotz fehlen einer Geschirrspülmaschine war der Andrang an Helfern zum Teil gewaltig.

Wer aufs Fallen des Handtuches wartet, wartet vergebens. das Ding hat immer gehalten. Leider.

Aber – kann man(n) sich einen schöneren Arbeitsplatz vorstellen?

Unsere Ziele lagen bei diesem Törn abseits der allgemeinen Touristenruten und den von Yachtis meist angelaufenen und dahingehend überlaufenen Zielen.

Wie ließen Darko in der Striznja und Ante in Vrulje an Backbord liegen, umschifften die Ruinen von Mana, besuchten im vorbeifahren Bruno und Idro in der Bucht von Lavsa, jedoch lagen beide Konobas  noch im Winterschlaf.

Lojena – Smokvica

Das Ziel war der südlichste Punkt der Kornaten- Smokvica auf der Insel Lojena.

Im Piccolo, bekannt für seine Hummerspaghetti und flambierten Palatschinken, wurde dann fürstlich aufgetischt.

Das schwarze Risotto mit Tintenfisch war mit Sicherheit das Beste das ich jemals serviert bekam.

Wenn du es nachkochen willst, probier es einmal so:

Rezept für 2 hungrige Personen. Risotto wie gewohnt vorbereiten. Scharlotten in einem Öl/Buttergemisch anschwitzen, Reis dazugeben und unter rühren garen bis eine leichte Glasigkeit entsteht. Mit Grasevino ablöschen. Etwas Safran, Zitronen- u. Orangenzesten dazugeben. Salzen, pfeffern und wie üblich mit Suppe, Schöpfer für Schöpfer, aufgießen und aufs Rühren nicht vergessen. 

Die Tintenfische in einer gesonderten Pfanne mit vieeeel Knoblauch heiß anbraten – die Tinte beigeben (gibts extra zu kaufen) und das Ganze dem Risotto beigeben.

Zum Schluss den Parmesan, die Butter und noch einen Schluck Wein dazu. Ein paar Garnelen als Eyecatcher obendrauf.

Lass es dir schmecken. Dazu schmeckt am besten Wein und Weißbrot – aber wen sage ich das.  Apropos Tinte: Tintenflecken sind nur im schwarzen T-Shirt nicht sichtbar und gehen am besten mit der Fleckenschere wieder raus. 

Auf der mit Weinlaub berankten Terrasse sitzt man gut und hat freien Blick auf die vor Anker liegenden Yachten. Unser Tenderboot – ein Schlaucherl mit 2,5 PS, absolut übermotorisiert und  angepasst für zwei kleinwüchsige, brachte uns relativ wacklig, jedoch trockenen Fußes wieder zurück zum Schiff.

Die Entscheidung den Sonnenaufgang um 05:24 Uhr abzuwarten und fotografisch festzuhalten erwies sich als….

Wir haben schon gescheitere Sachen gemacht. Roserls stimmgewaltige Werke an Volksliedern, die selbst den Grenzlandchor Arnoldstein vor Neid erblassen ließen, sowie Reste vom Gin Tonic, gelben Muskateller und dem allseits berühmt/berüchtigten Karlovacko Crno Pivo haben uns die Zeit kurzweilig werden lassen.

Meine gequälte und vor textunsicherheit strotzende gesummte zweite Stimme ging dabei, Gott sei gedankt, irgendwie unter.

Um 05:27, drei Minuten nach theoretischem Sonnenaufgang gingen wir, ohne jemals die Sonne gesehen zu haben, schlafen.

Irgendwie und irgendwann gelang es der Sonne auch ohne uns aufzugehen.

Resümee: sollte ich jemals wieder singen, werde ich kielgeholt.

Gefühlte 20 Minuten später, so gegen 09:30 war die sehr kurze Nacht und mein Gejaule vergeben und vergessen und das Schiff nahm Kurs in Richtung Sibenik um zumindest Rauchwaren und etwas Wasser zu bunkern.

Sibenik

Sibenik mit seiner Kathedrale, den engen Gassen und den kleinen Kaffees die immer einen Besuch wert sind, wurde diesmal jedoch nicht angelaufen. Die Restbestände meiner Zigarillos mussten herhalten und dienten dem rauchenden Teil der Crew als Notversorgung.

Frische Miesmuscheln wurden bei einer der unzähligen Muschelfarmen entlang der Ufer der Krka um 3 Euro pro Kilo erworben.

Und ja, man kann stundenlang ernsthaft darüber diskutieren wie diese Tiere am besten zubereitet werden.

Wir einigten uns auf: viel Zwiebel noch viel mehr Knoblauch und frische Paprika. Apropos Knoblauch, wer sagt das viel Knoblauch viel wirkt, hat viel recht. Küssen, Gelsen und Vampire haben nicht die geringste Chance. Sogar vor Anker liegt man alleine.

Es lag nicht am Knoblauch, sondern viel eher an der Jahreszeit. Doch in beinahe jeder einzelnen Bucht lagen wir alleine. Die Chartercrews denen wir begegneten, konnten wir beinahe an einer Hand abzählen. Es war einfach traumhaft.

Skradin

Zumindest wenn da nicht folgendes passiert wäre.

Frisch bekleidet, rasiert, geschminkt, die Haare toupiert, mit Krawatte, Stöckelschuhen und kleinem Schwarzem wurde MOB geübt.

Mann über Bord. Genauer gesagt – Skipper über Bord.

Als Skipper musste einmal aufzeigt werden, dass ein allzu lässiges Besteigen des Beibootes sich meist durch ungewolltes Abtauchen der gesamten zum Ausgehen fertig gemachten Person – in diesem Fall „meiner“ zu unbeabsichtigten Schwimmübungen verleitet.

“Das ist mir noch nie passiert – und heute schon wieder”.

Kurz gesagt, der Landgang verzögert sich durch Trockenlegung des Skippers.

Das Essen in der Konoba Dalmatino entschädigte jedoch vollends und war neben unseren Muscheln sicherlich das Beste und nebenbei eines der Günstigsten im Zuge unseres Törns.

Die Konoba Dalmatino, mit ihren  Antipasti und den gebackenen Mäusen, ist mein Tipp, gelegen in der zweiten Reihe von Skradin.

Ich komme mit der nächsten Crew schon in wenigen Tagen wieder!!!

In dieser Nacht fing der Regen an. Gewitter türmten sich auf. Nach dem gefühlten 38ten Pummerl beim Schnapsen ging es ab ins Ölzeug und Leinen los.

Bei strömenden Regen verließen wir Skardin und segelten bei herrlichem Wind und Sonnenschein hinaus nach Zirje in die Vela Stupica.

Zirie – Vela  Stupica

Ein einfacher Wirt, bei dem es nur selbst gefangenen Fisch oder Fleisch gab, ist seit Jahren einer meiner Anlaufpunkte und gleichzeitig mein Geheimtipp.

Das Essen ist hervorragend. Der Fisch ist fangfrisch und erstklassig zubereitet die einzelnen Portionen groß. Für den meist noch warmen Kartoffelsalat wirst du die Wirtin küssen wollen.

Der Wein … gewöhnungsbedürftig jedoch ganz ähnlich dem steirischen Schilcher, ab dem dritten Glas schmeckt er immer besser.

immer besser.

Lavsa

Hart am Wind, bei 20 Knoten, segeln wir nochmals von Süden kommend bei herrlichem Sonnenschein in die Kornaten und werfen unseren Anker in der Bucht von Lavsa. Wohlwissend, dass diese rundum geschlossene Bucht bei Bora zur Falle werden kann.

Bei vier Meter Wassertiefe lasse ich 20 Meter Ankerkette stecken und fahre den Anker richtig tief ein.

Jetzt kann wind mäßig die Bora kommen wenn immer sie will – sie wollte aber eh nicht.

Die Letzte Nacht auf unserer Star-Chiara bricht an. Die entlang der Krka gekauften Muscheln werden in der grenzgenialen Knoblauch/Zwiebel/Paprika Sauce zubereitet und genussvoll mit frischem Weißbrot geschlürft. Ein Kilo Muscheln pro Person sind fast nicht wegzubekommen. Nur drei Stück haben dieses Massaker überlebt. Eigentlich auch diese nicht wirklich.

Traurigkeit überkommt uns. Niemand will nach Hause. Wir träumen vom weitersegeln.

Süddalmatien im Oktober wird unser nächstes Ziel. Aber jetzt frischt der Wind nochmals kräftig auf. Die letzten 15 Seemeilen bei 20 Knoten Wind auf Raumschotkurs.

Wir gleiten geräuschlos dahin. Der Maestral schiebt uns kräftig mit über 6 Knoten Speed gen Biograd. 

Ein leichtes Gedränge bei der Tankstelle. In etwa 20 Yachten vor uns und die Jadrolinija unmittelbar hinter uns. Um ein Kräftemessen mit diesem Ungetüm zu vermeiden habe ich der Fähre gönnerhaft die Vorfahrt gelassen.

Trotz vorbildlicher Leistung meiner Crew muss ich ein oder zwei Kritikpunkte loswerden.

Als komplettes Versagen wäre das zur Neige gehende Bier am letzten Tag und die fehlende Zitrone für den letzten Gin Tonic anzumerken. Trotzdem würde ich mit dieser Crew überall hin segeln.

Danke!

Redaktion Nautik/Herbert T.
Bild: andreas underworld

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