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SCHULKINDER IN BOSNIEN – GETRENNT DURCH EINEN METALLZAUN

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Aufgrund der Folgen des Jugoslawienkrieges ist die Schule in der bosnischen Stadt Travnik auch heute noch durch einen Metallzaun in zwei Teile geteilt, so die „New York Times“.

Der Text der Journalisten Barbara Surk erzählt von der Segregation von Kindern in den Schulen Bosnien-Herzegowinas, wo das Modell „zwei Schulen unter einem Dach“ im ganzen Land anzutreffen ist. Surk stattete den Städten Travnik und Mostar einen Besuch ab, um sich selbst ein Bild zu machen.

„Die Kinder kroatischer Nationalität, Katholiken, gehen in die Schule in der rechten Gebäudehälfte, während die bosniakischen Kinder, Muslime, die Schule in der linken Gebäudehälfte besuchen. Für viele der Schulkinder ist diese Trennung ein unerwünschtes Überbleibsel des Krieges in Bosnien-Herzegowina“, ist dem Artikel in der „New York Times“ zu entnehmen.

Eine 18-jährige Schülerin erzählte der „New York Times“-Journalistin, dass die Kinder in der Schule so gut wie keinen Kontakt zu den „Anderen“ hätten, jedoch nach dem Unterricht sehr wohl gemeinsam in Kaffeehäuser gehen oder anderweitig ihre Freizeit verbringen.

„Trennung immer stärker“
Surk erwähnte zudem, dass die nationalen Trennungen in Bosnien-Herzegowina immer stärker werden würden, da nationalistische Politiker immer wieder nationalistische Rivalitäten entfachen bzw. provozieren würden. Aus diesem Grund gebe es das Modell „zwei Schulen unter einem Dach“ immer noch.

„Das Gebäude stammt aus der Zeit der österreich-ungarischen Monarchie, wobei es sich nun im Eigentum der Römisch-katholischen Kirche befindet. Die Kirche verwaltet die Schule in der rechten Gebäudehälfte, während sich in der linken eine öffentliche Schule befindet, die in der jugoslawischen Zeit beide Gebäudehälfte umfasste“, so die Journalistin und fügte hinzu, dass die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mehrfach versuchte, dieses Problem der Segregation in Bosnien-Herzegowina zu lösen.

Multiethnische Schulen nicht erwünscht?
„In Bosnien-Herzegowina gibt es mindestens 50 Schulen, in welchen Kinder aufgrund ihrer Nationalität voneinander getrennt und den Unterricht in unterschiedlichen Gebäudeteilen, Stockwerken oder zu anderen Uhrzeiten besuchen.“

Laut der Autorin würden kroatische Nationalisten besonders stark auf dieser Trennung verharren, da ein multiethnisches Schulwesen in Bosnien-Herzegowina ein Hindernis für eine autonome kroatische Republik innerhalb des Landes wäre. Diese haben Serben in der Form der Republika Srpska während bzw. nach dem Krieg bekommen.

Die Journalistin erwähnte außerdem, dass sie während des Besuches einer Schule sah, wie Kinder auf der kroatischen Schulhofseite Fußball spielten. In einem Moment flog der Ball über den Metallzaun auf die andere Seite, in den Hof der öffentlichen Schule.

„Ein Schüler hob den Ball auf, und warf ihn zurück über den Zaun. beide lachten, allerdings sagten sie nichts zu einander“, ist am Ende des Textes zu lesen.

kosmo.at/New York Times
Bild: Laura Boushnak/The New York Times
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