War der Zerfall Jugoslawiens ein abgekaterter Plan des Westens? Der Politikwissenschaftler und (Süd-)Osteuropaexperte Phil Butler veröffentlichte einen Artikel für New Easter Outlook, in welchem er hart mit dem Westen und der NATO abrechnet.

„Können sie sich ein Europa heute vorstellen, in welchem Jugoslawien eine Schlüsselrolle spielt? Ich kann das, denn Jugoslawien war in Wirklichkeit eines der größten kulturellen und sozialen Experimente der Geschichte. Entstanden in einem Schmelzofen, dem Konflikt zwischen dem Österreich-Ungarischen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich, schmolz Jugoslawien Menschen zweier Kulturen zusammen, wie das vorher nur in der Zeit von den Eroberungen von Alexander dem Großen geschah“, so Phil Butler.

Der Politologe unterstrich zudem die Tatsache, dass der Staat unter einer panslawischen Idee entstand, sodass die einzelnen südslawischen Völker nicht “schwach und getrennt, sondern stark und vereint” leben.

Butler bezeichnet die Periode in Jugoslawien von 1960 bis 1980 als „eines der stärksten Wachstume der Welt“. Gründe hierfür seien die kostenlose medizinische Versorgung und Bildung, gesicherte Arbeit, ein Monat bezahlter Urlaub, ein hoher Lebensstandard und Alphabetisierungsraten von über 90 Prozent.

Großer Plan des Westens?
Es seien sowohl das außergewöhnliche Wirtschaftswachstum, als auch die ideologische Unabhängigkeit den westlichen Westen ein Dorn im Auge gewesen, so Butler, welcher weiter meint, dass deshalb Jugoslawien vom Westen eingedämmt werden musste.

„Es konnte dem Land nicht erlaubt werden, mit Deutschland, Frankreich und vor allem Großbritannien zu konkurrieren. Jugoslawien musste sterben und die Reagens, Bush-Familie und Clinton halfen dabei, dies durchzuführen.“

Diese heftige Anschuldigung unterstreicht der Politologe mit diversen Zitaten angesehener Analytiker der politischen Situation Südosteuropas. Unter anderem wird Michael Parenti, vom Institut für Politologie in Washington DC erwähnt.

Dieser behauptet, dass es das ultimative Ziel des Westens gewesen wäre, Jugoslawien in einen Staat der Dritten Welt zu verwandeln. Dieser Plan sah sowohl eine Spaltung der Bevölkerung, als auch die Marktöffnung für westliche Unternehmen und Banken vor. Dies bedeutete laut Parenti gleichzeitig das Sterben der jugoslawischen Industrie, weshalb die jugoslawische Bevölkerung zu billigen Arbeitskräften wurde.

Abwärtsspirale
Butler behauptet in seinem Artikel, dass die Propagandakampagne und die Angriffe der NATO wesentlich zur Auflösung Jugoslawiens und der schlechten Situation der Nachfolgestaaten heute beitrugen. Vor allem der Angriff auf den Kosovo unter Clintons Regierung bezeichnet er als „ersten großen und wichtigen Präzedenzfall bezüglich der Legitimierung von einseitiger Intervention“ in Angelegenheiten eines anderen Landes.

Seither ging es in Jugoslawien, bzw. den Nachfolgestaaten laut Butler nur abwärts. Bosnien-Herzegowina befindet sich nun in Hinblick auf das Bruttoinlandsprodukt auf Platz 112, Kroatien auf 76, Montenegro auf 1949, Mazedonien auf 130, Serbien auf 87 und Slowenien auf 81 – Tendenz fallend.

In dem heutigen Zustand ist das ehemalige Jugoslawien in keinster Weise ein Konkurrent für die Mächten der EU und die Verhandlungen rund um den NATO-Betritt Montenegros bzw. Serbiens schätzt Butler als mehr als bedenklich ein.

„Und wie ich nun die letzten Buchstaben meines Artikels schreibe, denke ich darüber nach, was die mutigen und starken Menschen Jugoslawiens erreicht hätten, wenn sie nicht von außen gestoppt worden wären“, beendet der Politologe seinen Text.

N. Rieger
Quelle: New Easter Outlook
Bild: Dalmatinka Media
Video: uncutnews.ch
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