Home Land und Leute Natur und Umwelt Giftige Tiere in Kroatien – Wahre Monster oder einfach nur Natur?

Giftige Tiere in Kroatien – Wahre Monster oder einfach nur Natur?

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Wenn man manche Foren aber auch kommerzielle Seiten durchstöbert bekommt man den Eindruck, in Kroatien wimmelt es von Tieren, die uns ans Fell wollen. Hochgiftig, aggressiv und unberechenbar – also Zustände wie in Australien. Dass dem nicht so ist, möchte ich euch heute zeigen. Und um ein wenig der Panik vieler Urlauber entgegenzuwirken, werde ich hier eine Zusammenstellung der Tiere machen, die dem Menschen gefährlich werden können. Aber auch Schutzmaßnahmen und allgemeine Verhaltensregeln aufzeigen.

Zuerst möchte ich das Wort Gift erklären: es gibt viele Tiere, die Gifte selbst produzieren oder von Beutetieren einlagern. Diese geschieht aus mehreren Gründen. In den meisten Fällen ist das Gift dafür da, Beute zu lähmen oder schnell zu töten. Diese Gifte wirken im Allgemeinen auf das zentrale Nervensystem, die Haut oder die Muskulatur und können auch uns mehr oder weniger gefährlich werden. Dann gibt es Tiere, die Gifte zum Schutz vor Fraßfeinden haben. Auch diese können im Fall des Falles unseren Organismus schädigen.

Wenn man medizinisch angehauchte Seiten durchstöbert findet man immer wieder den Satz: bei immungeschädigten Menschen, bei alten Menschen und bei Kindern gefährlich. Diese Aussage halte ich für Unfug, denn jeder kann einmal immunmäßig einen schlechten Tag haben. Deshalb sollte man jeden Unfall ernst nehmen, aber nicht in Panik verfallen.

Grundsätzlich möchte ich aber eines betonen: Tiere sind nicht aggressiv oder setzen ihr Gift aus reiner Mordlust ein. Wir dringen in den Lebensraum bzw. in das Revier von Tieren ein. Und diese setzen sich genauso zur Wehr wie wir wenn jemand versucht, in unsere Wohnung ein zu dringen. Treffen wir auf einen Vertreter dieser Species wird er erst versuchen, zu entkommen. Gelingt das nicht, warnt er, im Regelfall ziemlich deutlich. Erst wenn das nichts hilft, kommt es zum Angriff. Deshalb ist immer noch das beste Mittel, Unfälle mit Tieren zu vermeiden: Augen auf, gut ausgerüstet sein, Abstand halten und die Mimik richtig deuten.

Anemonia viridis Forskål, 1775 hat in ihren Tentakeln Nesselkapseln


Augen auf: das ist meistens leichter gesagt als getan. Trotzdem soll bei einer Wanderung, einem Spaziergang am Strand oder einem Schnorchelausflug immer die Umgebung im Auge behalten werden.

Ausrüstung: Wandern in Kroatien mit Sandalen und Hot Pants mögen zwar das eine oder andere menschliche Wesen erfreuen. Wenn man sich aber in der Wildnis oder auf schmalen Wegen aufhält, ist es schlicht und ergreifend unvernünftig. Hohe Schuhe und eine lange Hose kann in diesem Fall vor viel Ungemach schützen.

Abstand: Tiere (das gilt übrigens auch für Pflanzen) sollte man niemals anfassen. Dann dringt man soweit in die Privatsphäre des Tieres ein (ja, auch bei denen gibt es das), dass man einen Angriff provoziert. Lieber Abstand halten und von der Ferne beobachten.

 

Leodice torquata Quatrefages, 1866

Würmer im Meer
Auch marine Würmer schätzen nicht immer eine Berührung. So kann der Lebensraum bei Berührung seine Borsten abwerfen, die sich dann in die Haut bohren. Dadurch kommt es zu hartnäckigen Entzündungen. Hier ist Vorsicht besser. Sollte es zum Kontakt kommen, die Borsten mit einer Pinzette entfernen, die Fläche desinfizieren und kühlen.

 

 

 

 

Himantarium gabrielis Linné, 1767

Tausendfüßer an Land

In Kroatien leben viele verschiedene Tausendfüßer, wobei die Mehrzahl völlig ungefährlich ist. Einer davon ist Himantarium gabrielis Linné, 1767, der im Erdreich in der Nähe von Bäumen lebt. Er ist Europas größter Tausendfüßer und ist nur selten zu sehen. Auf seiner Unterseite hat er zwei Reihen von Drüsen, die ein Abwehrsekret produzieren. Bei Gefahr spritzt er es auf seinen Feind. Dieses Sekret ist übel riechend und leicht ätzend. Auf der Haut passiert nicht viel, kommt es aber in die Augen, soll man sofort spülen und einen Arzt aufsuchen.

 

Scolopendra dalmatica Koch 1847

Skolopender
Sie sind in Kroatien recht häufig, erreichen aber keinesfalls die Größe ihrer tropischen Verwandten. Diese Tiere sind aktive Jäger und können ordentlich zubeißen. Sie injizieren mit dem Biss ein Gift, das dem Menschen gefährlich werden kann. Die Giftdrüse sitzt direkt unter den Kiefern und ist für den Menschen sehr schmerzhaft, im Allgemeinen aber nicht lebensbedrohlich. Es kann aber zu Kreislaufbeschwerden und allergischen Reaktionen kommen.

 

 

 

Euscorpius tergestinus Koch, 1837, Vir

Der Skorpion – škorpion
In Kroatien kommen einige wenige Arten vor, die alle recht klein bleiben. Wie ihre großen Verwandten besitzen auch sie eine Giftdrüse, um ihr Beutetier zu lähmen.
Für den Menschen ist der Skorpion nicht gefährlich. Der Stich ähnelt einem heftigen Wespenstich, die Wunde schwillt an und es dauert ein paar Tage, bis alles abgeheilt ist. Auch hier können allergische Reaktionen folgen.

Skorpione muss man schon berühren, dass sie den Schwanz mit dem Stachel aufstellen. Außerdem öffnen sie ihre Scheren und sehen damit gleich viel größer und recht bedrohlich aus. In diesem Fall heißt es: dezenter Rückzug.

 

 

 

Latrodectus tredecimguttatus Rossi, 1790

Die Schwarze Witwe – crna udovica

Und nun zu einem Meister der Sagen, Mythen und Horrorgeschichten, zur Reinkarnation der Bösartigkeit: „Langsam nähert sie sich dem ahnungslosen Opfer, so klein wie sie ist, so bös ist sie. Dann beißt sie zu und tötet ohne Erbarmen. Sie kann überall erscheinen, nirgendwo ist man vor ihr sicher und sie attackiert, wenn man es am wenigsten erwartet“

So oder ähnlich findet man immer wieder Berichte über die Schwarze Witwe, von aggressiven Angriffen auf ahnungslose Touristen und von Todesfällen bis hin zur angeblichen Eiablage in der Haut.

Aber nun zu den Fakten: diese Kugelspinne baut ihre Haubennetze gerne an Stellen, wo sie natürlich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Beute fangen kann. Das bedeutet, an Mauern, an Steinen, immer aber an Stellen, wo sich Insekten oder Heuschrecken tummeln wie z.B. Klärgruben. Dadurch, dass sie in der Nähe der Menschen lebt, kann es zu Begegnungen kommen. Ich selbst habe schon viele gefunden, an meiner Mauer, außen am Haus, aber nie eine unter der Klobrille. Das mag früher der Fall gewesen sein, als die Toiletten außerhalb des Hauses direkt an der Senkgrube waren. Aber in modernen Bädern – die auch noch ziemlich intensiv nach irgendwelchen Reinigern riechen – wird sie sich nicht sehr wohl fühlen. Fundorte sind Trockenmauern, Mauern und Steinhaufen, in denen sie sich verstecken können.

Meine Begegnungen sind immer friedlich verlaufen, kein Drohen, kein Beißen. Im Gegenteil, ich hatte das Gefühl, das Tier war sich seiner Verteidigungsmöglichkeiten bewusst und ist ganz ruhig geblieben.

Trotzdem rate ich jedem zur Vorsicht, da sich diese Tiere in Notlagen sehr effektiv zur Wehr setzen können. Wenn man sich auf eine Spinne setzt, wird sie sich – wie eine Wespe auch – wehren, Außerdem sind die Weibchen in der Zeit der Brutpflege eher mürrisch. Auch dann sollte der Abstand etwas größer werden.
Wenn eine Schwarze Witwe zubeißt, bleibt das zunächst unbemerkt. Erst wenn sich das Nervengift ausbreitet und seine Wirkung entfaltet (es kommt zu einem verstärkten Kalziumstrom), kommt es zu extremen Schmerzen und zum typischen „Schwitzen“ der Haut. Da die Reaktion jedes einzelnen Menschen nicht vorhersehbar ist, soll man in jedem Fall einen Arzt oder das Krankenhaus aufsuchen. Es gibt ein Antiserum und schmerzlindernde Medikamente, die dringend anzuraten sind. Auch wenn die Sterblichkeitsrate extrem niedrig ist, sollte keiner sein Leben unvernünftigerweise aufs Spiel setzen.

 

Hogna radiata Latreille, 1819

Die Schwarzbäuchige Tarantel ist eine recht häufig vorkommende Spinne in Kroatien, und imposant dazu. Sie lauert auf Beute, packt sie und injiziert ihr Gift. Ich habe aber noch von keinem Fall gelesen, bei dem ein Mensch nach einem Biss zu Schaden gekommen ist.

 

 

 

 


Auch bei den Insekten gibt es einige Arten, die uns ziemlich piesacken können. Ob Käfer, Wanzen oder Fangschrecken (Gottesanbeterin) – viele Arten sind Räuber und darauf spezialisiert, ihre Beute so schnell wie möglich zu töten.

 

Rhynocoris iracundus Poda, 1761

Als Vertreter möchte ich die Mordwanze anführen. Ihre Mundwerkzeuge sind zu einem Stilett umfunktioniert, mit dem sie heftig zustechen kann. Außer einem unangenehmen Schmerz passiert allerdings nicht viel.

 

 

 

 

 


Gerade Insekten zeigen ganz eindeutig, wenn sie in Ruhe gelassen werden. Sie recken den Vorderkörper und spreizen – ähnlich wie Spinnen und Skorpione – die Vorderfüße abwehrend. Damit machen sie sich größer und hoffen, dass der Feind die Flucht ergreift. Es gibt aber auch Insekten, die stinkende oder ätzende Sekrete zur Abwehr versprühen – so ganz hilflos sind diese kleinen Geschöpfe auch nicht.

 

Libelloides macaronius Scopoli, 1763

Der Östliche Schmetterlingshaft, žuti leptirak fängt seine Beute im Flug. Gerät man als Mensch in seine Bahn, kann er sich durchaus energisch wehren. Aber solche Zusammenstöße sind eher zufällig und selten.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Beitrag von: Moni Losem
 Quelle und Bilder: Kroatiens Fauna und Flora
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