Home Land und Leute Kulinarisches Ethnobotanik – Der Walch als Vorfahr unseres Weizens

Ethnobotanik – Der Walch als Vorfahr unseres Weizens

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Getreide gehört zu den ältesten Lebensmitteln, die der Mensch verwendet hat. Allerdings konnten die Leute früher nicht in ein Geschäft gehen und dort eine Packung Mehl kaufen. Der Weg zum essbaren Brei oder Brot war äußerst mühsam. Die Ethnobotanik ist ein Zweig der Botanik, die sich mit der Verwendung von Pflanzen als Nahrungsmittel im Laufe der Geschichte des Menschen befasst. Und Getreide und dessen Verwandte ist dabei natürlich hochinteressant und gut erforscht. Trotzdem gibt es immer wieder neue Erkenntnisse, die die Entwicklung dieser Pflanze vom wilden Gras zum heutigen Getreide neu beleuchten.



Samen von Aegilops triuncialis

Arten der Gattung Aegilops, also Walch, werden bereits seit der Steinzeit als Nahrung verwendet. Auch aus der Zeit der Pharaonen ist überliefert, dass die Körner für Gerichte verwendet wurden. Zu dieser Zeit wurden vermutlich noch die ursprünglichen, wild vorkommen Arten gesammelt.


Die beiden Gattungen Walch und Weizen sind sehr nahe miteinander verwandt, sodass es im Laufe der Zeit zu Hybridisierungen mit Einkorn oder Emmer (Zweikorn) kam. Dabei entstanden polyploide Arten, die höher wuchsen und auch größere Körner hatten.



Aegilops triuncialis

Im Mittelmeerraum und damit auch in Kroatien war es vor allem die Art Aegilops triuncialis Linné, 1753,  triuncijalna ostika, die an daran beteiligt war. Gensequenzen dieser Art können auch heute noch in Weizenarten gefunden werden. Diese Art wächst heute noch in vielen Gebieten des Mittelmeerraumes.


Aegilops geniculata

Eine weitere Art, die in Kroatien zu finden ist, ist Aegilops geniculata Roth, 1787, der Eyförmige Walch, kroatisch mala ostika. Beide Arten bilden niedrige, Horste mit zahlreichen Ausläufern. Die Blüten sind wie bei allen Gräsern stark reduziert, die Früchte sitzen einzeln in Spelzen. Beide Arten lieben trockenes, steiniges Gelände in Meernähe und können dort große Bestände bilden.


Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, von Aegilops triuncialis Körner zu sammeln. Dazu kann ich nur sagen: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Denn es dauert sehr lange, bis man eine Handvoll der Samen entspelzt hat. Der Geschmack ist getreideartig und nussig, für ein Brot hat es allerdings nicht gereicht. Deshalb habe ich sie in ein Dinkelbrot eingebacken.

 

Ein Beitrag von: Moni Losem

Quelle und Bilder: Kroatiens Fauna und Flora

Literaturtipp: Miodrag Dimitrijević, Sofija Petrović, Carmen Cîmpeanu, Daniel Bucur and Milivoj Belić: Cereals and Aegilops genus biodiversity survey in the west Balkans: Erosion and preservation, Journal of Food, Agriculture & Environment Vol.9 (3&4): 219-225. 2011
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