Home Land und Leute Der Turm auf Krk, unsere Bayern Serie. Kapitel 2: Gründung einer Firma

Der Turm auf Krk, unsere Bayern Serie. Kapitel 2: Gründung einer Firma

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Nachdem wir unser Traumobjekt, den alten Turm in Sveti Vid auf Krk, endlich gefunden hatten, kam nun die nächste Herausforderung: wie kauft man in Kroatien eine Immobilie? Unser Makler erwähnte, dass die Rechtslage beim Kauf durch ausländische Privatpersonen undurchsichtig sei. So gab es erst kürzlich ein negatives Beispiel bei einem Paar aus Wien, das ein Haus privat gekauft hatte und der Kauf danach nicht genehmigt wurde! Diese haben dann erst eine kroatische Firma gründen müssen um das Haus erneut zu kaufen – natürlich mit den wiederholten Kosten für Notar und Grunderwerbssteuer.

Daher entschieden wir uns damals (im Jahr 2006) eine kroatische Firma (d.o.o.; entspricht einer GmbH) zu gründen. Übrigens kann man auch bis heute nur auf diese Weise landwirtschaftliche Flächen oder Forst erwerben – für den Kauf von Immobilien ist dies seit Eintritt Kroatiens in die EU aber nicht mehr nötig.

Nun aber zurück zu unserer Firma: Logisch, dass zuerst mal ein Firmenname her musste, mit dem wir uns identifizieren konnten. In Kroatien sind kroatische, griechische und lateinische Firmennamen erlaubt. Als Bayern durch und durch verewigten wir unsere Wurzeln im Namen ‘Porta Bavaria’- das Tor Bayerns oder der bayerische Hafen.

So sind wir drei im Winter 2006 auf die Insel Krk gefahren um eine d.o.o. zu gründen. Unser kroatischer Makler (und gleichzeitig unser späterer Architekt), der zum Glück auch die deutsche Sprache beherrscht, hieß uns willkommen mit dem Satz “Da kommen sie ja die drei Musketiere”. Beim Notar saßen wir in einem winzigen Zimmer zu insgesamt neunt: der Notar und sein Stellvertreter, ein Rechtsanwalt, zwei Zeugen, ein einarmiger Gynäkologe, der als Dolmetscher fungierte und wir drei zukünftige ‚Direktoren’ – wie man die Geschäftsführer in Kroatien nennt. Der Notar hat immer einige Sätze vorgelesen und der Übersetzer dann nach und nach übersetzt. Unsere Aufgabe war es jedes Dokument und jede einzelne Seite zu unterschreiben und zusätzlich noch die Unterschriften in einem Unterschriftenbuch zu bestätigen. Nach ca. einer Stunde pausenlosem Unterschreiben sagte der Dolmetscher: “Unterschreibt bitte einfach den ganzen Rest”. Uns blieb daraufhin nichts anderes übrig als darauf zu vertrauen, dass wir mit unseren Unterschriften wirklich nur unsere Firma gründeten ohne über den Tisch gezogen zu werden. Es ging zum Glück auch fast alles glatt. Nur unser Rechtsanwalt hat sich, nachdem er sein Geld bekommen hatte, einfach aus dem Staub gemacht ohne unsere Firma korrekt anzumelden! Außerdem merkten wir etwas später, dass der Vorbesitzer von unserem Turm uns die falsche Adresse mitgeteilt hatte und wir somit unseren Firmensitz leider beim Nachbarn gegründet hatten. Dazu aber mehr in Kapitel 5.

Weitaus schwieriger war es einen guten Buchhalter zu finden. Der erste war unfähig, der zweite verstarb schon bald, der dritte war eigentlich eine Tourismus Agentur und erst der vierte ist jetzt zufriedenstellend.

Nachdem wir unsere Firmengründung “Porta Bavaria d.o.o.” ausgiebig gefeiert hatten, konnten wir nun prinzipiell den Turmkauf anpacken. Allerdings musste zumindest einer von uns drei “Direktoren” wieder zum Notar vor Ort. Das blieb damals an unserem BWLer Michi hängen, da es ja auch sein Themengebiet war. Die Fahrt zu diesem Termin sollte auch nach mittlerweile über 11 Jahren die erste und einzige mit dem Zug bleiben und hält mit 14 Stunden Anreisezeit von München nach Krk den Rekord! Zuerst ging es mit dem Nachtzug bis Ljubljana, dann mit dem Regionalexpress von Ljubljana nach Krk – mit jeweils 30 Minuten Stop an der slowenischen und kroatischen Grenze. Schließlich musste Michi für die letzten 40 Kilometer von Rijeka nach Krk Stadt noch ein Mietauto nehmen.

Der Notartermin begann mit dem Satz “Bitte den Firmenstempel”, was Michi vor eine nicht lösbare Aufgabe stellte, da er zu diesem Zeitpunkt das erste Mal von einem zwingend vorgeschriebenen Firmenstempel gehört hatte. Der Termin war kurz davor zu platzen. Zum Glück kam dann unser damaliger Anwalt (ja der, der später untertauchte) mit einer Entschuldigung für seine Verspätung und dem notwendigen Firmenstempel, den er in Auftrag gegeben hatte – natürlich ohne uns vorab informiert zu haben! Ansonsten lief alles sehr ähnlich wie bei der Firmengründung ab: viele Leute, viele Unterschriften, und der Versuch des Verkäufers die Grunderwerbssteuer “kreativ” zu gestalten (sprich teilweise schwarz zu bezahlen), was unsererseits natürlich abgelehnt wurde.

Zu unserem großen Erstaunen erfuhr Michi während dieses Kauftermins, dass es neben den zwei von uns gekauften Appartements noch ein zusätzliches Zimmer mit 12 qm im Erdgeschoss gab, welches wir offiziell mitkaufen mussten (aufgrund der bestehenden Grundbuchaufteilung der Parzelle). Dieses war aber mit einem lebenslangen Wohnrecht für den Vorbesitzer gekoppelt. Uns blieb keine große Wahl – kurzentschlossen kauften wir also das Zimmer mit. Nach diversen Umformulierungen und einer Zusatzvereinbarung bezüglich des Zimmers im Erdgeschoss konnten schließlich die Verträge unterschrieben werden. Das12qm Zimmer wurde für die nächsten fünf Jahre tatsächlich das Zuhause für den Vorbesitzer mitsamt seiner Freundin und ungefähr 50 Kanarienvögel.

Fazit:

Wir drei waren nun stolze Direktoren einer kroatischen Firma – auch wenn der Firmensitz die Nachbarsadresse war! Und wir waren stolze Besitzer von zwei Appartements in einem historischen Turm aus dem 15. Jahrhundert – auch wenn dieser Kauf ungeplant mit einem Teilbesitz im Erdgeschoss und lebenslangem Wohnrecht für den Vorbesitzer mit seinen Vögeln einherging!

Von Matthias Reithmair

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